Mischen possible: So funktioniert die Kommunikation zwischen Musiker und Tontechniker

Tontechniker Magnus von den Lala-Studios gibt konkrete Tipps für die Vorbereitung aufs Studio – damit Musiker und Mischer zusammen etwas Besonderes schaffen


Aufnahmen im professionellen Tonstudio sind oft teuer. Und der Tontechniker hat selten genau das gleiche Ohr für Musik und Sound wie ihr. Wenn eine Band das Studio unzufrieden verlässt, hat das oft einen vermeintlich banalen Grund: Band und Mischer haben aneinander vorbeigeredet. Magnus aus den Leipziger Lala-Studios erzählt uns deswegen hier, wie Bands und Tontechniker sich besser verstehen können – und welche Fragen ihr euch am besten schon vor dem ersten Studiobesuch selbst beantworten solltet.

 
Magnus Wichmann

ist Tontechniker, Produzent und Inhaber der Lala-Studios in Leipzig. Er weiß, was er von Bands hören muss, um den richtigen Sound zu finden – auch weil er selbst Musik macht.


Habt keine Angst davor, uns eure Vorbilder und Inspirationen zu zeigen

Wir fragen Musiker fast immer nach Referenzen. Das hilft ungemein dabei, einen konkreten Fahrplan für die Produktion zu machen. Wenn ich als Produzent einer Band oder einer Künstlerin ins Boot geholt werde, ist das einer der ersten Schritte. Viele Bands haben davor Hemmungen, weil sie eigenständig klingen wollen und nicht den Eindruck erwecken möchten, einen Stil abgekupfert zu haben. Natürlich wird und soll das Endergebnis nie genau so klingen wie die Referenzen. Aber wir könnten uns gegenseitig stundenlang mit abstrakten Worten und Lautmalereien erklären, wie bestimmte Riffs klingen sollen – am Ende sind beide Seiten unzufrieden.

Wenn ich etwas als „fett“ oder „warm“ oder „rough“ bezeichne, habe ich ganz andere Sounds im Kopf als ein Mensch, der musikalisch anders sozialisiert ist.

Referenzen können ja verschieden sein und euer Sound bleibt eigenständig. Ihr könnt die Snare von Platte A haben und den coolen Halleffekt auf der Stimme von Platte B.

Ohne Sound-Referenzen ist man auf „Musikersprache“ angewiesen – und die ist zu subjektiv.

Lasst uns zusammen Musik hören – oder ladet uns vorher zum Gig ein

Wenn wir das vorschlagen, sind Musiker oft irritiert. Aber wenn die Aufnahme so richtig gut werden soll, liegt es einfach nahe, schon vorher über Musik zu sprechen. Wenn es die Zeit zulässt, sollten wir gemeinsam einen entspannten Abend in einer Bar oder besser noch vor YouTube oder Spotify verbringen. Da zeigen sich dann schnell Vorstellungen und Vibes, auf die man als Produzent eingehen kann. Ergänzend dazu hilft es, wenn wir zusammen eure alten Demos hören, falls ihr schon selbst Musik aufgenommen habt. Die können wir dann gemeinsam diskutieren. Fehlen da Instrumente, sollen die Drums wieder so klingen oder anders? Es hilft uns außerdem, ein Konzert von euch zu besuchen – oder zumindest bei einer Probe dabei zu sein. Ob das dann schon als Arbeitszeit für den jeweiligen Tontechniker gilt, solltet ihr vorher abklären. Bei einer großen Albumproduktion gibt es da sicher eine gute Lösung für beide Seiten. Denn die Produktion profitiert davon enorm. Klar, bei einer Probe lässt man als Band ziemlich die Hosen runter. Aber so entsteht ein klareres Bild von dem, was ihr als Band darstellen möchtet.

Macht euch vorher Gedanken über die Technik, die ihr nutzen wollt

Wir können zwar coachen und Tipps geben, aber wir können (und wollen) euch keine Entscheidung abnehmen. Als Tontechniker im Aufnahmestudio lieben wir Bands mit einer klaren Vision, Authentizität und Hingabe. Am liebsten haben wir es, wenn ihr schon wisst, was ihr wollt.

Ich erlebe immer die gleichen Unsicherheiten bei Bands im Tonstudio. Nicht, weil es schlechte Musiker sind – viele haben einfach noch nie über gewisse Punkte nachgedacht.

1. Wollt ihr Live-Recording oder Overdubbing?

Live-Recording bedeutet, dass wir alle Instrumentalisten gleichzeitig aufnehmen, während sie den Song live performen. Das Live-Recording fängt meist besser die Energie einer Band ein. Es ist eine tolle Lösung für eine Band, die gut zusammenspielt und ihre Instrumente im Schlaf beherrscht.

Beim Overdubbing nehmen wir meistens zuerst das Schlagzeug alleine, dann den Bass, dann die Gitarren nacheinander auf. Das Overdubbing erlaubt feineres Editing und besseren Zugriff auf alle einzelnen Instrumente. Beim Overdubbing editieren wir die Drums direkt, nachdem alle Schlagzeug-Takes im Kasten sind. Wir schneiden alles so sauber, dass es nicht rumpelt und trotzdem natürlich klingt. So können alle Instrumentalisten danach direkt auf ein tightes Drumset spielen und aufnehmen. Dieser Vorgang wird beim Bass und bei den Gitarren wiederholt. Bei rotzigem Punk wäre das eher nicht gewünscht, bei Pop und anderen eher cleanen Musikrichtungen ist es aber ein absoluter Mehrwert.

2. Legt vorher klar fest, welches Equipment ihr nutzen wollt

In beiden Fällen beginnt ein Recording mit dem Aufbau, dem Soundcheck und der damit verbundenen Auswahl der Instrumente. Die Wahl solltet ihr vorher treffen:

  • Holzsnare oder Metallsnare?
  • Fender oder Gibson?
  • Bassamp oder DI-Box?

Zur Auswahl der Mikrofonie können wir euch beraten.

3. Macht euch bewusst, wie ihr das Monitoring mögt

Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit ist ein gutes Spielgefühl für die Band: Hört sich jeder gut, hört jeder den anderen, ist das Metronom laut genug?

Dokumentiert am besten, wie ihr im Proberaum spielt – natürlich nur, wenn es euch dort zusagt.

4. Welche Unterstützung braucht ihr?

Dann beginnt die eigentliche Aufnahme der Songs. Je nachdem, wie sicher ihr an euren Instrumenten seid, bekommt ihr von mir nur ein Metronom oder das, was Tontechniker manchmal Schmutzspur, Schmutztrack, Schmutzgitarre, Guidetrack oder Geistergitarre nennen. Wenn ihr das Metronom braucht und Songs im Tempo variieren, kommt ihr am besten direkt mit einem Clicktrack ins Studio. Das müssen wir sonst unter Zeitdruck selbst machen. Kennen wir auch die einzelnen BPMs in den Songs nicht, schätzen wir einzelne Parts vielleicht falsch ein. Dann wiederum ist der Click sehr ungewohnt für die Instrumentalisten. Das kann den ganzen Aufnahmeprozess sehr frustig und langwierig machen.

5. Denkt darüber nach, wie euer Soundkonzept sich auf die einzelnen Instrumente auswirkt

Wir mixen gerne schon das „Soundkonzept“ über die jeweiligen einzeln aufgenommenen Spuren. Wenn wir beim Schlagzeug anfangen, kann der Bass direkt auf ein fertig gemixtes Schlagzeug aufnehmen. Dadurch können wir wiederum den Sound des Basses direkt am Amp in den Song mixen. Das Gleiche passiert dann auch mit den Gitarren, Synths, Percussions und Vocals. Die Möglichkeit habt ihr im Proberaum zwar nicht – aber überlegt euch, wie euer Bass schon immer mal klingen sollte.

Fazit: Je mehr ihr uns an die Hand gebt, desto besser können wir mit euch arbeiten

Wir kommen einfacher und präziser mit euch auf Augenhöhe, wenn ihr gut vorbereitet ins Tonstudio kommt. Letztlich ist fast immer das Budget und somit die Studiozeit begrenzt. Bringt also Referenzplatten mit, ladet uns im Vorfeld zum Konzert ein, legt schon vorher die Instrumente bereit, die ihr nutzen wollt. Manchmal bin ich als Produzent oder Techniker auch ein wenig Coach, manchmal bin ich nur Dienstleister, meistens bin ich auch ein wenig Psychiater. Wenn ihr das als Künstler zulasst und akzeptiert, dass wir auf eurer Seite sind, dann machen wir gemeinsam die fettesten Scheiben.

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