Technical Rider: 6 Punkte, die reingehören – mit Vorlage

Wie der Technical Rider dem Mischer wirklich hilft – und damit auch euch!

Ein gut konzipierter Technical Rider ist wie der Unterschied zwischen einem mittelmäßigen Konzertabend und einer perfekten Performance. Und weil uns eure Performance am Herzen liegt, geben wir hier die wichtigsten Tipps und stellen euch eine Vorlage zum Download bereit.

Das gehört in den Technical Rider:



 
Nils W., Sänger und Gitarrist von The Hirsch Effekt

„Grundsätzlich stehen in unserem Technical Rider zwei Dinge: Was wir für ein Konzert mitbringen und was wir vom Veranstalter brauchen.“

1. Welche Technik braucht ihr vom Veranstalter für das Konzert?

 
Florian B., Drummer von Long Way Home

„Ich stelle mir gerne vor, dass wir die Koffer packen und am anderen Ende der Welt spielen. Was darf da auf keinen Fall fehlen? Alles, was euch dann einfällt, sollte entweder in eurem Koffer sein oder unbedingt in der Konzertlocation vorliegen – so oder so sollte es im Technical Rider stehen. Dann ist festgelegt, was ihr unbedingt braucht, um eure Leistung abzuliefern. Versucht eure Show im Kopf durchzuplanen: Was braucht ihr an Steckdosen und Strom, Mikrofonen, Personal, Backline? Welche Anforderungen (Subwoofer, Leistung) stellt ihr an die PA-Anlage, braucht ihr einen Drumriser? Habt ihr Anforderungen an Licht, braucht ihr DI-Boxen? Habt ihr ein Banner, auch Backdrop genannt?“

2. Welche Technik steuert ihr zum Abend bei?

Im Technical Rider steht auch, was ihr selbst für euch und andere zum Konzert mitbringt. Am besten führt ihr die komplette Technik auf, mit der ihr reist: Mikrofone, Stative, Kabel, Boxen und so weiter. Dann könnt ihr auch separat markieren, welche Teile eures Equipments anderen Bands des Abends zur Verfügung stehen. Die meisten Schlagzeuger haben kein Problem damit, wenn sich alle Drummer die Toms und Bassdrum teilen. Bei Becken und Topteilen ist das meist schon anders.


Im Technical Rider steht also unmissverständlich, welche Teile eurer Backline ihr den anderen Bands für den Abend zur Verfügung stellen würdet.


3. Grundlegende Infos über euch und euren Sound

Spätestens wenn ihr für ein Konzert oder Festival gebucht seid, schickt ihr unaufgefordert den Technical Rider an den Veranstalter. Darin enthalten sind ...

  • … eure jeweiligen Namen mit Foto und Aufgabe in der Band.
  • … eine Kontaktmöglichkeit, entweder von einem Ansprechpartner in eurer Band, am besten aber für jeden von euch. Falls der Technical Rider trotz unseres Guides Fragen offen lässt, kann der zuständige Techniker gezielt die richtige Person in der Band anrufen.
  • … euer Genre und Angaben darüber, wo der Mischer eine Hörprobe oder mindestens eine vergleichbare Referenz findet.
  • … Angaben dazu, ob ihr eine gewisse Grundlautstärke zum Spielen braucht.
  • … Auskünfte darüber, ob ihr Musik für Setbreaks selbst mitbringt, und wenn ja, in welchem Format.

4. Der Bühnenbelegungsplan

Die wichtigste Information ist hier, wie viele Personen wo auf der Bühne stehen und welche Instrumente sie spielen. Führt auch das Drumset in allen Einzelteilen auf. Der Bühnenbelegungsplan zeigt zudem, wo ihr eure Monitore haben wollt und was auf diesen Monitoren zu hören sein soll.

5. Als Grundlage für den Kanalbelegungsplan oder Patchplan: Wie viele und welche Kanäle braucht ihr?

Wie viele AUX-Kanäle gehen von der Bühne ans Mischpult? Hier vermerkt ihr außerdem Besonderheiten der Kanäle, etwa wenn auf die zwei Background-Vocals ein Halleffekt soll oder ihr aus irgendeinem Grund einen separaten Synthesizer-Kanal beim Keyboarder braucht. Gebt auch an, ob jemand ein In-Ear-System oder Funksysteme nutzt, und falls ja, auf welchen Frequenzen.

 
Nils W., Sänger und Gitarrist von The Hirsch Effekt

„Arbeitet im Technical Rider am besten mit einer Mindest- und einer Ideal-Anforderung. Wenn ihr hohe Ansprüche an jede Konzertlocation stellt, kann damit nicht jeder FOH-Mischer etwas anfangen. Bands sollten einmal reflektieren: Was möchten wir damit erreichen? Selten ist es sinnvoll, im Technical Rider eine bestimmte Firma oder Marke zu verteufeln. Und meistens erzeugt das auch keine gute Arbeitsatmosphäre.“

6. Rechtliche Grundlagen

Ab einem gewissen Niveau sollte im Technical Rider auch stehen, dass dieser ein Teil des Vertrags zwischen Band und Veranstalter ist. Der Gastspielvertrag wiederum nennt den Technical Rider der Band als Vertragsbestandteil. Ein Verstoß gegen den Technical Rider ist damit ein Vertragsverstoß. So habt ihr bei Veranstaltern, die es wirklich nicht gut mit euch meinen, eine rechtliche Grundlage. Hier ein paar Passagen, die ihr einbauen könnt:

  • „Der Technical Rider ist Bestandteil des Gastspielvertrages und wir verlassen uns auf die darin enthaltenen Abmachungen.“
  • „Sollten am Tag des Konzertes die Mindestanforderungen der Technik nicht wie im Technical Rider beschrieben vorliegen, behalten wir uns vor, den Auftritt kurzfristig abzusagen. Das Recht auf die vertraglich vereinbarte Gage und die Anfahrtskosten bleibt bestehen.“
 
Jesse Garon, Sänger von Sloppy Joes

„Wichtig ist grundsätzlich, deutlich im Technical Rider zu formulieren, was Ihr zwingend benötigt. Die Anforderungen an die PA-Gesamtleistung und die Lichtanlage werden häufig gezielt überlesen. Mit einem deutlichen Technical Rider in den Händen spart man sich unnötige Diskussionen am Tag der Veranstaltung: Es ist da, was im Technical Rider steht, oder eben nicht. Der perfekte Technical Rider ist deswegen kurz, gut zu verstehen und vor allem deutlich in der Formulierung und den Anforderungen. Schreibt nicht ‘Wir würden gern …’, sondern formuliert: ‘Wir benötigen zwingend Folgendes: ...’ oder ‘Ohne Anforderung xyz keine Show!’.“

Der Rider ist die formale und wichtigste Brücke zwischen FOH-Mischer und Musiker – wenn ihr mit unseren Tipps noch das Letzte aus eurer Performance rausholen könnt, freuen wir uns. Hier findet ihr eine Vorlage für einen Techrider.

Titelfoto ©   Aliaksei | Adobe Stock