Spotify: Geld pro Klick oder Stream verdienen?

Ob Streaming die neue Cashcow ist oder sich CD-Verkäufe noch lohnen – was ihr für euer Musikbusiness 2022 wissen solltet


Klar, wer träumt nicht davon, irgendwann mal seine eigene CD in Händen zu halten?  Die kann man noch in zig Jahren rauskramen und seinen Enkeln zeigen. Das ist bei Streaming anders und nicht so schön haptisch. Wenn es aber darum geht, auf welchem Weg ihr mit eurer Musik zusätzlich Kohle machen könnt, wird das nicht mehr der klassische Weg sein. Audio-Streaming ist so beliebt und umsatzstark, dass es bereits 2018 die klassische CD als meistverkauftes Format abgelöst hat. Vielleicht schielt eure Band bereits mit einem Auge aufs Streaming, aber ihr seid bisher nicht auf den Zug aufgesprungen. Wie viel Geld pro Klick gibt’s bei Spotify eigentlich und ist das überhaupt lukrativ? Dem wollen wir jetzt mal auf den Grund gehen.


Was interessiert euch besonders?


Audio-Streaming macht fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes aus

Bevor wir ins Detail gehen, lasst uns einen finanziellen Blick auf den Branchengewinn der Musikindustrie in Deutschland im Jahr 2020 werfen (wenn ihr darauf keine Lust habt, hier klicken). Prognosen bescheinigen diesen anhaltenden und sogar noch wachsenden Trend. Die Musikindustrie hat darauf bereits reagiert. Den Mammutanteil ihrer Produkte bieten die Labels nicht mehr im Laden, sondern nur noch digital an. Ganze 1,79 Milliarden Euro wurden da im Bereich der aufgenommenen Musik (recorded industry, ohne Live-Geschäft) in Deutschland erwirtschaftet. Davon 63,4 Prozent oder 1,133 Milliarden Euro allein durch Audio-Streaming. Krass, oder? Dahinter kommt auf Platz zwei zwar immer noch die CD, allerdings „nur“ noch mit 387 Millionen Euro. Selbst wenn hier die Pandemie einen Einfluss auf das physische Geschäft gehabt haben sollte, sind CD-Verkäufe weiter rückläufig. Anders sieht’s bei Schallplatten aus. Auch, wenn sie der CD (noch) lange nicht (wieder) das Wasser reichen, legen die Vinyl-Verkäufe mit 4,2 Millionen Euro kontinuierlich weiter zu. Der Bundesverband Musikindustrie e.V. hat das in Grafiken zusammengefasst:

Die CD schwächelt, im „Geld-für-Streams“-Bereich ist dafür sogar noch mehr Luft nach oben

Habt ihr gerade mit den Ohren geschlackert, als ihr gelesen habt, dass Streaming 1,133 Milliarden Euro eingebracht hat? Dann haltet euch fest: Der Markt ist noch keinesfalls gesättigt. Das liegt zum einen daran, dass die Verkäufe der anderen Formate wie CDs (sowohl Single als auch Album), Videos, DVDs und MCs (ja, es gibt sie noch) sukzessive zurückgehen und diese Lücke mit Streaming ausgefüllt werden kann. Zum anderen konsumieren die meisten Leute Musik noch ganz klassisch übers Radio. Aber auch hier steigt die digitale Nutzung.

Dieser Trend wird kaum brechen. Auch weil Generationen, die mit Streaming fremdeln, irgendwann schlichtweg wegfallen.

Spotify ist nach wie vor der Marktführer

Wenn wir weiter aufs Streaming schauen und wie ihr dabei pro Klick Geld verdienen könnt, dann blicken wir vor allem auf Spotify. Die Schweden sind der Platzhirsch mit dem größten Marktanteil von allen Anbietern weltweit. Das liegt vor allem daran, dass es sie schon so lange gibt und sie eine ganze Infrastruktur neu erschaffen haben.

Geld mit Klicks: Auf die Streaming-Plätze, fertig, los?

Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Nicht jeder kann einfach seine Musik bei Spotify hochladen und einen Account erstellen. Dafür braucht ihr einen Digitalvertrieb, der das für euch erledigt und über den ihr dann auch erst ein Artist-Profil bekommt. Den Digitalvertrieb müsst ihr für seine Leistung bezahlen. Dafür rechnet er aber auch ab, wie viel Geld ihr pro Klick bei Spotify bekommt. Einen Digitalvertrieb findet ihr im Web. Achtung: Viele Digitalvertriebe sind unseriös. Seid besonders aufmerksam, wenn der Anbieter die Kosten sehr niedrig, die Umsätze sehr hoch anpreist.

Versucht andere Artists zu finden, die einen seriösen Digitalvertrieb empfehlen können.

Streaminganbieter zahlen keinen festen Betrag pro Stream aus

Im Netz kursieren verschiedene Angaben, wie viel ein Stream wert ist. Das bewegt sich zwischen 0,0026 und 0,0044 Euro. Also nur gut ein Drittel eines Cents. Welche Summen Sportify zahlt, unterscheidet sich auch von Land zu Land. Die Abrechnung funktioniert bei Spotify nach dem Pro-Rata-System. Dabei ist die Ausschüttung davon abhängig,

  • wie viele zahlende Abonnenten es monatlich gibt 

  • und was in diesem Zeitraum besonders viel gestreamt wurde. 

Daraus ergibt sich jeden Monat ein individueller Gesamtbetrag für die Künstler und Künstlerinnen. Aber:

Die Verteilung der Geldbeträge richtet sich nicht danach was, sondern wer am meisten gestreamt wurde.

Das bedeutet, dass ihr vielleicht eure Lieblingsband stundenlang streamt, die Kohle aber andere bekommen. Denn vor allem bekannte Musiker und Musikerinnen, die die Power einer großen Plattenfirma genießen, profitieren. Sie verfügen über mehr Reichweite und Fans, die per se mehr Klicks bei Spotify generieren. Weil sie am häufigsten im Monat gestreamt werden, geht der größte Anteil an die big names, danach folgen absteigend andere Interpreten. Ergo: Bereits erfolgreiche Acts werden weiter gepusht, während die übrigen nahezu leer ausgehen.

Übrigens: Das Pro-Rata-System wurde vor Jahren von den großen Labels zusammen mit Spotify festgelegt. Ganz schön clever von denen, was?

Bei unbekannten Acts bleibt weniger Geld pro Klick bei Spotify hängen als gedacht

Im Umkehrschluss haben es alle anderen deutlich schwerer. Da könntet ihr schon zufrieden sein, wenn ihr wenigstens das Geld für die Produktion eurer Songs wieder reinholt. Ihr bräuchtet aber Zehntausende Streams, um auf 100 Euro zu kommen. Wenn wir annehmen, dass ein Stream aus den Werten von oben vielleicht 0,0035 Euro wert ist, dann müsste euer Song fast 30.000-mal gestreamt werden, damit ihr 100 Euro raus habt. Und bedenkt: Als Band würdet ihr euch die Einnahmen zusätzlich durch die Anzahl der Mitglieder teilen.

Unsere Tipps: So steigt eure Hoffnung auf Umsatz im Streaming-Bereich

Da ihr zukünftig mit großer Sicherheit nicht um Streaming herumkommt, haben wir noch 3 Tipps für euch:

  1. Playlisten: Landet ihr auf einer offiziellen Playlist, kann die euch einen ziemlichen Boost mit mehr Usern und Klicks geben. Das kann zufällig passieren oder ihr helft nach. Dafür könnt ihr euch in eurem Artist-Profil mit einem unveröffentlichten Song für eine Playlist bewerben. 

  2. Weg vom Pro-Rata-System: Wie ihr oben gelesen habt, ist dieses Prozedere eher unfair. Deshalb regt sich gerade unter Künstlerinnen und Künstlern Widerstand. Es könnte sein, dass sich in nächster Zeit das UCPS (user centric payment system) durchsetzt. Mit dem UCPS  würde der monatliche Betrag eines Abonnenten genau nach den Liedern aufgeschlüsselt, die er oder sie auch tatsächlich gestreamt hat. 

  3. Life is live: Klar ist Streaming eine nette Sache, aber es bleibt doch sehr abstrakt, solange das UCPS noch nicht greift. Und es macht einen riesigen Unterschied, ob ihr auf nackte Zahlen schaut oder eurem Publikum direkt ins Gesicht blickt. Bevor dies wieder möglich ist, probiert doch mal Live-Streaming als Überbrückung aus. Danach stürzt euch, sobald es wieder geht, auf die Bühnen im real life. Denn die Live-Atmosphäre bei Konzerten kann Streaming nicht ersetzen und das ist auch gut so. Selbst wenn ihr erst mal nur in kleineren Locations oder Clubs spielt, am Ende eines Abends bleibt da zum einen mehr Geld bei euch hängen als ein Klick auf Spotify (denkt nur an Merch!). Zum anderen werdet ihr von diesen unbezahlbaren Erlebnisse noch länger etwas haben. Außerdem: Euer guter Live-Sound ist wiederum ein Anreiz, euch auf Streaming-Plattformen zu finden.

Fazit: Es ist und bleibt euch ganz selbst überlassen, welchen Weg ihr einschlagt. Sicherlich ist Streaming nicht verkehrt und kann eine Visitenkarte für eure Musik sein – solange ihr euch bewusst seid, dass ihr dabei wahrscheinlich keine Millionäre werdet. Aber vielleicht habt ihr Glück und landet auf einer offiziellen Playlist, die euch Kohle in die Kasse spült.

Headergraphik © Adobe Stock - izzuan

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