Als Band in Zeiten der Corona-Pandemie sichtbar bleiben: Effiziente DIY-Musikpromotion ohne großes Budget

6 Tipps für bessere Musikpromotion durch digitales Musikmarketing


Mit der eigenen Musik irgendwann Tausende, Zehntausende oder vielleicht sogar noch mehr Menschen zu erreichen, Konzerte vor großen Crowds zu spielen – das ist der Traum vieler Musiker und Bands. Dazu gehört vieles. Gute Songs sind sicher das Wichtigste, ohne eine gewisse Ausstrahlung geht es aber auch nicht. Und dann ist es auch eine Frage der Selbstvermarktung. Alleine schon, weil es da draußen Abertausende Bands gibt, die das Gleiche wollen wir ihr: Aufmerksamkeit! Und gerade in Zeiten von Corona ist es umso wichtiger, digital aufzufallen. Hier erfahrt ihr, wie das mit wenig Budget geht.

Musikpromotion digital, ein Überblick:


1. Bewirb deine Facebook-Posts mit einem kleinen Budget

Facebook ist mit 2,4 Milliarden Nutzern auch 2020 das größte Soziale Netzwerk der Welt. Ein weitverbreiteter Mythos ist, dass Anzeigen bei Facebook oder Instagram teuer oder kompliziert sind. Fakt ist aber: Bereits mit einem Budget von 20 bis 30 Euro im Monat könnt ihr eure Reichweite um ein Vielfaches vergrößern. Geteilt durch drei oder vier Bandmitglieder ist das für die meisten Musiker machbar. Es gibt drei Arten von Beiträgen, die du durch Geld bewerben solltest:

  1. Videos, in eurem Falle also Musikvideos, Live-Mitschnitte oder Content

  2. Veranstaltungen, in eurem Falle also zumeist Konzerte. Hier kannst du ganz spezifisch einzelne Konzerte von dir im Vorfeld promoten. Hierbei solltest du proaktiv auf den Veranstalter des jeweiligen Konzertes zugehen und für deine Leistung etwas einfordern. Denn wenn du deine Konzerte gegen ein Budget auf Facebook promotest, ziehst du schließlich Besucher in die Location. Der Veranstalter könnte also durchaus etwas Geld dazu geben, dir eine höhere Gage zahlen oder du handelst einen besseren Doordeal heraus.

  3. Deine Fanpage als Ganzes, um ganz allgemein deinen Bandnamen bekannter zu machen und mehr Aufmerksamkeit auf dich und deine Social-Media-Aktivitäten zu ziehen.


Dabei ist der Schlüssel zum Erfolg eine möglichst präzise Aussteuerung. Schließlich willst du, dass genau die richtigen Menschen deine Posts sehen und nicht irgendwer.


Dazu sind folgende drei Parameter wichtig:

1. Interessen und Demografie deiner Zielgruppe

  1. Facebook kann Menschen finden, die Bands hören, die euch stilistisch ähneln. Seid ehrlich zu euch selbst: Es geht darum, stilistisch ähnliche Bands zu finden, nicht Bands, die ihr persönlich toll findet.

  2. Facebook weiß außerdem, welche Nutzer genrespezifische Musikmagazine lesen. Ihr macht Heavy Metal? Dann ist eure Zielgruppe vielleicht jeder, der den Metalhammer liest?

  3. Wählt eure Zielgruppe nach dem Musikgenre, aber nur in Kombination mit ...

  4. … einer eng abgesteckten Region. Bei einem kleinem Budget ist es nicht sinnvoll, alle Facebook-Nutzer, auch nicht alle in Deutschland, mit dem Interesse „Hardrock“ anzusprechen. Wohl aber alle Hardrocker in Hamburg und Umgebung.

  5. Alter: Schätze realistisch ein, wie alt deine Zielgruppe ist. Nimm lieber eine spitze Altersgruppe wie „18 bis 28 Jahre“.

 

 

Personengruppen einbeziehen oder ausschließen

  1. Du kannst Personen ansprechen, die schon früher mit dir interagiert haben – so „erinnerst“ du an dich.
  2. Du kannst gezielt Personen ausschließen, die schon mit deiner Fanpage interagiert haben – so kannst du ganz neue Personengruppen erreichen - 
  3. oder auf Personengruppen setzen, die deinen Fans ähneln.

Nutzt die Infos, die ihr von Spotify und anderen Streaming-Diensten bekommt

Spotify versorgt euch mit demografischen Daten über eure Hörer. Nutzt diese Erkenntnisse. Gerade für die bezahlten Facebook-Posts könnt ihr die Daten von Spotify oder anderen Streaming-Diensten verwenden. Hört euch vielleicht eine bestimmte Altersgruppe? Dann fokussiert euch ruhig darauf. Es kann auch sein, dass ihr Musik macht, die in urbanen Ballungsgebieten ankommt. Dann fokussiert euch doch auf die 10 größten Städte Deutschlands.

2. Produziere (Video-)Content für deine Fans

Promo durch Content ist einfach zu erklären: Statt „nur“ Songs aufzunehmen, macht ihr euch Gedanken, was eure Fans noch interessieren könnte. Finden sie es vielleicht spannend, wie eure Songs entstehen? Macht ein kleines Video, das euren Songwriting-Prozess zeigt. Oder lasst die Fans hinter die Kulissen schauen, etwa mit einem Proberaum-Rundgang, einem Rig-Rundown oder einem kommentierten Blick auf euer geliebtes Pedalboard.

Ihr könnt aber auch klassische How-To-Videos machen und eure Erfahrungen mit der Welt teilen: Wie plant man eigentlich eine Tour trotz Vollzeitjob? Wie findet eine Band einen passenden Proberaum? Wie sieht euer Technical Rider aus und was ist euch dabei am wichtigsten? Oder ihr dreht ein Meinungsvideo: Wie haltet ihr es mit Gage, Pay2Play und Doordeal, wie geht ihr mit stressigen Veranstaltern um? Und das Tolle an diesem ganzen Content ist: Er funktioniert perfekt auf Social Media. Für besonders guten Content kannst du auch eine eigene Patreon-Seite anlegen und vielleicht noch ein paar laufende Kosten zu decken. Vorbildlich dafür ist die Patreon-Seite unserer Endorsement-Musiker The Hirsch Effekt.


3. Verschenke Sticker mit deinem Bandlogo, deiner Website und einem QR-Code

Die Menschen lieben einfach hochwertige Sticker. Vermutlich, weil damit der eigene Gitarrenkoffer, der Laptop und die WG-Tür so einfach und schnell dekoriert ist. Sticker mit einem QR-Code sind das analoge Gegenstück zum bezahlten Facebook-Post, nur dass sie potenziell langlebiger sind. Je nachdem, wie viel Geld du ausgeben möchtest, verschenkst du Sticker bei Konzerten oder legst einen oder zwei zu jeder verkauften CD, jeder LP, jedem Shirt oder was auch immer du als Merchandise verkaufst.


4. Schreibe Ersteller von Playlisten an und werbe für deine Band

Früher hat man als Band versucht, bei möglichst vielen DJs bekannt zu sein, um gespielt zu werden. Zwar sind Playlisten-Verwalter auf Streaming-Diensten und YouTube keine DJs. Trotzdem gibt es Playlists mit Tausenden Abonnenten. Es lohnt sich, als Band dort mit einem starken Song aufzutauchen. Und nur falls ihr noch gar nicht digital unterwegs seid: Für YouTube könnt ihr euch einfach einen Account machen, für Spotify und ähnliche Streaming-Anbieter braucht ihr einen Dienstleister, der euch dort einträgt.


5. Lass dich remixen oder covern

So landest du auf der Playlist eines anderen Künstlers. Der wiederum hat ebenfalls ein Interesse, den Remix deines Songs zu promoten. In der Zeit der digitalen Medien findest du schnell jemanden, der Lust und Zeit hat – es gibt ganze Remix-Communities. Und vielleicht findest du so ja sogar einen Künstler, mit dem du langfristig gemeinsam Projekte machen kannst. Win-win!


6. Pflege deine Website und nimm sie als Plattform ernst

Soziale Netzwerke sind schön und gut, aber die eigene Website ist auch heute noch wichtig. Sie ist eure „digitale Heimat“. Denkt aus Sicht eurer (potenziellen) Fans: die schnappen euren Namen irgendwo auf und suchen entweder direkt auf Facebook oder – wahrscheinlicher – bei Google. Das erste Suchergebnis sollte dann eure Band-Homepage sein. Bedenkt, dass ein User, der über Google auf eure Homepage kommt, vermutlich gerade einen Erstkontakt mit euch hat: Was zeigt ihr ihm, was würdet ihr als Neu-Entdecker als Erstes sehen wollen? Vermutlich eher nicht das neue coole T-Shirt-Design oder die Clubtour durch Japan, sondern lieber den aktuellen Song und das aktuelle Musikvideo.

Wenn jemand euren Bandnamen bei Google sucht, sollte er unbedingt auf eurer Website landen. So kannst du den Erstkontakt neuer potenzieller Fans mit deiner Band als Marke beeinflussen. Der erste Eindruck zählt! Fans können hier deine Diskografie sehen, dein komplettes Merch durchstöbern, hier gibt es das Pressekit und den Technical Rider. Falls ihr selbst auch Content produziert, verweist ihr hier auf YouTube oder Vimeo oder auf eure Social-Media-Kanäle.


Mit unseren Tipps bist du auf dem besten Weg in die Ohren deiner zukünftigen Fans. Ansonsten empfehlen wir das „Guerrilla Music Marketing Handbook“ von Bob Baker. Spätestens für deine ersten Clubtouren brauchst du übrigens einen Technical Rider und solltest dir genau überlegen, wie viel deine Musik zu Zeiten von Doordeals oder digitalen Konzerten wert ist.

Bildquelle Headergrafik: © igor_kell – Adobe Stock