Monitoring für die Bühne: Das sollten Musiker wissen

Wir haben einen FOH-Profi gefragt, was Musiker über Monitoring auf der Bühne wissen sollten – und wie die Zusammenarbeit auf Augenhöhe besser klappt

 

Monitoring ist die einzige Möglichkeit für Musiker, vernünftig sich selbst und ihre Kollegen beim Spielen zu hören. Auf kleinen Bühnen ist das Schlagzeug fast immer dominant, andere Instrumente kommen ausschließlich aus der PA-Anlage. Deswegen sollte jeder Musiker zumindest grundlegend wissen, wie Monitoring funktioniert. Bei einigen Musikern reicht es, wenn sie den Click auf dem Ohr haben – aber das ist die absolute Ausnahme. Deswegen teilt der DJ und Tontechniker Janosch Held hier seine Gedanken zum Bühnen-Monitoring – als Botschafter zwischen Bühnenkünstler und Mixing-Held.


Für Musiker ist es wichtig, das Grundproblem beim Monitoring auf der Bühne zu verstehen

Wenn es um Monitoring auf der Bühne geht, geht es im Kern immer um eine Balance. Nämlich die Balance zwischen dem, was aus den Monitoren kommt und dem, was aus der Backline kommt. Denkt Soundquellen wie Gitarrenboxen und Bassboxen deswegen immer als Teil des „Gesamtmixes“ der Bühne mit. Dieses Bewusstsein sollte am Anfang aller Überlegungen für das Monitoring stehen. Wo etwas lauter oder leiser sein sollte, hängt oft davon ab, wo der Musiker steht, bei dem der Sound ankommen soll.

Meist wisst ihr vor dem Bühnenaufbau, wie viele Monitor-Wedges ihr zur Verfügung habt. Baut die Backline also schon so auf, dass sie die Monitorboxen eher ergänzt, als entgegenwirkt.


Euer gemeinsames Ziel als Musiker und Mischer ist eine möglichst leise Bühne

Braucht jeder Musiker einen eigenen Monitor? Früher hätte ich gesagt: Ja, besser wäre es. Aber bei einer 8-Instrumentalisten-Ska-Band ist das Quatsch. Einerseits sind Monitorboxen und Bühnen-Grundfläche im Live-Club begrenzt. Andererseits machen zu viele Monitorboxen die kleinen Bühnen oft zu laut. Monitoring soll über dem möglichst leisen „Grundrauschen“ auf der Bühne punktuell die Sound-Nuancen so betonen, dass der einzelne Musiker genau hört, was er braucht.

Die Bühne sollte also auch ohne Monitore harmonisch klingen.

Wenn da bereits der Bass-Amp viel zu laut ist,

schaukelst du dich beim Monitor-Mix immer weiter hoch.

Die Lautstärke der Amps auf der Bühne führt deswegen oft in einen Gain-Staging-Teufelskreis. Vor allem wenn die einzelnen Bandmitglieder sich immer wieder selbst am Amp soweit aufdrehen, dass sie „sich selbst hören“. Wenn ihr das bemerkt, sucht das Gespräch mit dem jeweiligen Instrumentalisten, fragt nach den Gründen und zeigt, dass so was auch mit Monitoring machbar ist.

Am konkreten Beispiel: Der Bass-Amp ist auf der Bühne so laut, dass der Gitarrist sich nicht mehr hört? Dann gibt es zwei Dinge, die nicht (!!!) passieren sollten:

  1. Ihr dreht dem Gitarristen immer mehr von der eigenen Gitarre auf seinen Monitor – und macht die Bühne lauter und unkontrollierbarer.
  2. Der Gitarrist dreht seinerseits den Gitarren-Amp höher. Das ist noch fataler, denn dadurch wird die Bühne lauter, die Gitarrenbox dröhnt in die ersten Zuschauerreihen, womöglich in einem schlechten Verhältnis zur PA-Anlage und die Gitarrenbox „überspricht“ in andere Mikrofone auf der Bühne.

 

Die erste Maßnahme ist immer, laute Instrumente abzusenken und so eine saubere Balance zu finden. Es gibt Instrumente, die sich selbst nicht verstärken: Keyboards und Vocals. Die müssen auf den Monitoren genug „Platz“ finden zwischen den Instrumenten, die sowieso mit Verstärkern auf der Bühne dröhnen.


Musiker sollten im Proberaum überlegen, auf was sie beim Spielen hören – und das aufschreiben!

Wenn ich am Mischpult stehe und die Musiker auf der Bühne frage, was sie hören wollen, ist vielleicht die schlimmste Antwort: „alles! “. Das funktioniert auf einem kleinen Wedge am Bühnenrand nicht und ist auch allgemein eine schwierige Arbeitsgrundlage.

Überlegt euch im Proberaum, worauf ihr hört, wenn ihr euch im Song orientiert.

Achtet doch bei der nächsten Probe einfach mal genau auf euer „Hörverhalten“ in den Songs. Wenn ihr schon im Proberaum mit einer eigenen Monitorbox arbeitet, entwickelt ihr ganz automatisch ein Bewusstsein dafür, was ihr hören müsst.


Vorschläge zum Monitoring auf der Bühne für einzelne Instrumentalisten

  • Viele Bassisten hören beim Spielen auf Kick-Drum und Hi-Hat. Das gehört also meist auf den Monitor, es sei denn der Bassist steht sowieso auf der Bühne nah am Schlagzeug. Dann hört er das Nötigste meist direkt. Der Erfahrung nach sind Bassisten eher genügsam, was das Monitoring angeht – hier ist „Sparpotenzial“.
  • Bei Gitarristen entscheidest du am besten je nach Nähe zur eigenen Gitarrenbox. Steht der Gitarrist eh direkt vor seiner Box, braucht er vielleicht nur seine Gesangsstimme auf dem Monitor. Dann musst du keine Monitor-Power an mehr Gitarrensound vergeben. Stehen zwei Gitarristen jedoch weit auseinander, weil zwischen Ihnen eine Sängerin und eine komplette Bläsergruppe steht, brauchen beide Gitarristen einen Monitor um sich selbst und ihren Kollegen auf der anderen Seite zu hören.
  • Sänger brauchen immer einen Monitor. Vokalisten sind auf Melodien angewiesen, etwa Keyboard und Melodiegitarre.
  • Drummer sitzen meist hinten auf der Bühne und bekommen deswegen nicht alles mit, was musikalisch vor ihnen passiert. Da ist eine gute Mischung aus Bass und Rhythmusgitarre sinnvoll. Manchen Drummern reicht aber auch der Click auf dem Ohr.
  • Bläser brauchen selbst oft keine individuell gemischten Monitore, sondern eher als Gruppe ein wenig Rhythmusinstrumente. Sie erzeugen aber durch Ihre Lautstärke Monitor-Nachfrage beim Rest der Band. Viele Bläser sind auf der Bühne so laut, dass sie sich gegenseitig hören – der Rest der Band aber auch nur Bläser hört. Dann braucht vor allem der Sänger vorne sogar zwei Wedges, wo gezielt seine Stimme drauf ist.
  • DJs sollten ihre Monitorbox am Booth-Out selbst regeln. Hier solltet ihr unbedingt mehr Leistung einplanen, DJs brauchen meist eine hohe Lautstärke und viele Bässe – viele Monitorboxen und PA-Verstärker kommen da an ihre Grenzen. Meist empfehlen wir ein 3-Wege-System wie die C-RAY.

Bands können eine „Monitormatrix“ aufstellen, in denen die Musiker eintragen, wie viel % sie jeweils sich selbst und andere hören möchten.


Beispiel für eine Monitormatrix

Dieses Beispiel könnt ihr natürlich anpassen. Bei mehr Musikern mit mehr Spalten oder bei mehr Sound-Kategorien mit mehr Zeilen. Statt in Prozent könntet ihr auch eine Gewichtung in drei Stufen vornehmen: „++ / + / 0“

Viele Monitorboxen sind für kleine Clubbühnen überdimensioniert

Viele Club-Bühnen sind ungefähr 6-10 Meter breit und 3-5 Meter tief. Dafür braucht ihr keine dicken Monitorboxen. Die nehmen den Musikern die Bewegungsfreiheit und dröhnen sehr breit auf die ganze Bühne. Kleine, flache 200-Watt-Monitore [###Link zu: www.img-stageline.de/produkte/audio-tools/signalverarbeitung/pa-lautsprecherboxen-aktiv/flat-m200/] mit einem steilen vertikalen Abstrahlwinkel reichen da vollkommen aus. Fette 400-Watt-Monitorboxen strahlen euch nur im breiten Winkel die ganzen Bühne voll.

Beispiel für Bühnen-Monitoring mit kleinen Monitorboxen für eine klassische Rockband

Noch nicht genug Inspiration? Nils Wittrock von The Hirsch Effekt hat in diesem Artikel einen Tipp für einen autonomen DIY-In-Ear-Monitor.