Der Mixdown: Mit diesen Tricks bleibst du voll auf der Spur

Tracks abmischen leicht gemacht – mit diesen einfachen Tipps gelingt der Mixdown


Ihr habt etwas im Homerecording-Studio aufgenommen und fragt euch: Wie mischt man jetzt eigentlich einen Song? Wie entsteht aus vielen Spuren ein fertiger Song? Wir haben hier ein paar Tipps für euch. 

Janosch Held

ist Tontechniker und regelmäßig mit bekannten Szene-Größen aus Rock und Pop auf Tour, zuletzt z. B. mit der Rockband Eisbrecher. Seinen ersten Mixdown hat er vor 14 Jahren gemacht. Seitdem hat er fette Mixdowns – aber auch ein paar fiese Fehler gemacht. Daraus könnt ihr jetzt lernen. Sein Tipp: Einfach machen. Und mutig sein.

Janosch Held

ist Tontechniker und regelmäßig mit bekannten Szene-Größen aus Rock und Pop auf Tour, zuletzt z. B. mit der Rockband Eisbrecher. Seinen ersten Mixdown hat er vor 14 Jahren gemacht. Seitdem hat er fette Mixdowns – aber auch ein paar fiese Fehler gemacht. Daraus könnt ihr jetzt lernen. Sein Tipp: Einfach machen. Und mutig sein.

Ein Überblick für bessere Mixdowns:

Mixdown: Was heißt das überhaupt?

Beim Mixdown, auf deutsch Abmischen, werden die beim Recording aufgenommenen Tonspuren zusammengemischt. Dabei kommen verschiedene Signal-Prozessoren zum Einsatz, beispielsweise Kompressor, Reverb und Delay. Egal ob Live- oder Studioproduktion: Der Job des Mixens besteht darin, alle wesentlichen Elemente eines Songs wahrzunehmen und am Ende ein rundes Klangbild zu erzeugen. Dabei können Lautstärken angeglichen, Audioeffekte verwendet und die jeweilige Position einer Spur innerhalb des Stereobildes bestimmt werden. Der Mixdown ist der erste Schritt zu einem fertigen Produkt. Die Stereospur geht dann meist noch zur Nachbearbeitung ins Mastering. 

 

Tipp: Warum du Mixdown und Mastering trennen solltest

Mixdown und Mastering sind zwei Disziplinen, die zwar Überschneidungen haben, sich aber auch durch spezielle Anforderungen (zum Beispiel Plug-ins) unterscheiden. Es gibt Audio Engineers, die bei der Produktion beide Schritte machen. Ich rate: Es ist besser, beides zu trennen. Warum? Vielleicht hilft ein Vergleich: Nur weil du ein guter Schrauber bist, heißt es noch lange nicht, dass du auch gut lackierst. Für beide Teilbereiche gibt es Profis. Und die brauchen spezielle Werkzeuge, mit denen sie  sich auskennen müssen.

Die Basics: Was steckt hinter Kompressor, Reverb und Delay?

Kompressor

Klingt simpel, aber: Der Kompressor komprimiert eure Spur oder bestimmte Abschnitte eurer Spur. Er ist das wichtigste Tool im Mixdown, weil er die Dynamik so weit beschneiden kann, dass ihr am Ende einen fetten Mix habt. Je nach Einstellung werden Peaks, also starke Ausschläge, leiser und leise Parts lauter gemacht. Generell gilt: Je stärker ihr eure Signale komprimiert, desto lauter wird der Mix wahrgenommen. Gerade bei dynamischen Signalquellen – zum Beispiel Vocals, mit dem Finger gespielten Bassgitarren oder Drums – kommen Kompressoren zum Einsatz. Tipp: Passt mit Kompressoren im Live-Betrieb auf. Zieht ihr leise Parts zu stark nach oben, provoziert ihr fiese Feedbacks. Im Studiobereich gilt: Trial and Error. Einfach ausprobieren – es gibt kein Richtig und kein Falsch. Hier lest ihr mehr über Kompressoren im Home Recording.

Reverb

Reverb ist der Oberbegriff für den Hall. Eure Drums klingen noch ein bisschen trocken und könnten ein bisschen mehr Hall vertragen? Ihr habt bloß keine Ahnung, wie? In jeder Software gibt es voreingestellte (Drum-)Presets. Um ohne viel Vorwissen zu starten, sind Presets wirklich cool. Im Anschluss könnt ihr dann immer noch in die Parameter reingehen, um Details zu verändern. Wenn ich im Mixdown merke, der Hall ist mir zu massiv, dann habe ich nicht nur die Möglichkeit, ihn leiser zu machen, sondern kann auch noch mal in die Settings reingehen und die Nachhallzeit reduzieren. 

Delay

Delay ist das klassische Echo. Heißt: Ein Tonsignal wiederholt sich nach einer bestimmten zeitlichen Abfolge. Es gibt viele verschiedene Delays, mit denen ihr arbeiten könnt – etwa Ping-Pong-Delays, die von links nach rechts wandern, oder Delays, die mit einem Reverb gemischt werden. Auch hier empfehle ich: Wenn ihr keine Ahnung habt, wo ihr anfangen sollst, nehmt ein Preset und probiert aus, wie sich der Mix dadurch verändert. Wichtig: Ein Delay hat eine zeitliche Komponente. Achtet also unbedingt darauf, dass es vom Tempo zum restlichen Song passt.

 

Egal, wie weit ihr seid: Speichert euren Mixdown immer ab

Euer Rechner schmiert ab, kurz bevor der Mixdown sitzt? Mega ärgerlich, aber ist fast jedem schon passiert. Deshalb: Speichert eure Dateien immer richtig ab – am besten mehrfach. Und in gewissen Abständen auch verschiedene Versionen. Im Grunde macht ihr es wie beim Gaming oder beim Schreiben in Word: Die Tastenkombination für Speichern muss einfach wie unterbewusst alle 5 Minuten aus dem Handgelenk kommen.

Welche Software ihr für einen guten Mixdown nutzen könnt

Es gibt aus meiner Sicht drei gute Mixdown-Tools:

Die sind allerdings alle kostenpflichtig und teilweise auch nicht ganz günstig. Lediglich Pro Tools bietet eine solide, kostenfreie Version an. Kostenlose Alternativen:

  • Garageband (bei jedem Apple-Device dabei)

  • Cakewalk 

Für welche Software ihr euch entscheidet, ist vor allem eine Glaubensfrage. Und, klar: eine Frage der Hardware, die ihr nutzt. Logic gehört zum Apple-Konzern. Wer auf dem Mac arbeitet, nutzt deshalb meist Logic, wer auf dem PC arbeitet, nutzt Pro Tools oder Cubase (beide sind aber auch für Mac verfügbar). Alle drei Optionen bringen euch ans Ziel und sind vom Funktionsumfang ähnlich. Ratsam ist es zu schauen, ob ihr ein bestimmtes Plug-in braucht, mit dem ihr arbeiten wollt – und ob es das für die entsprechende Software gibt. 


Haltet euer Set-up so schlank wie möglich. Seid mutig. Probiert aus. Vor allem aber: Scheut keine Fehler. Aus denen lernt ihr.


Mehr über Mixing und Recording erfährst du hier:

Was ihr beim Mixdown beachten solltet

Achtet gut auf den Pegel

Beim Mixdown seid ihr nach oben hin limitiert. Ihr könnt nicht beliebig hochschrauben, sonst riskiert ihr Clippings. Fragt euch lieber: Welche Instrumente oder Spuren senken wir ab, damit der Gesamtmix runder wird? Wenn ihr dazu mehr wissen wollt, informiert euch über Gain Staging.

 

Vermeidet einfache Fehlerquellen

Es gibt eine klassische Fehlerquelle, bei der sich viele Engineers verzetteln: Beim Recording nimmt man in der Regel erst die Drums auf, dann kommt der Bass dazu, dann die Gitarre und irgendwann die Vocal-Aufnahmen. Beim Mixdown lässt man sich schnell dazu verleiten, genau diese Reihenfolge beizubehalten. Heißt: Erst macht man die Drums fett, dann mixt man den Bass dazu, dann die Gitarre, vielleicht noch Keyboards. Irgendwann kommen die Vocals und man merkt: Ach Mist, ich habe ja gar keinen Platz mehr in meinem Mix! Mein Tipp: Geht doch einfach mal einen anderen Weg. Fangt beim Mixdown mit der Stimme an und schleift die so lange, bis ihr zufrieden seid. Den restlichen Mix baut ihr dann drumherum. Es gibt da keinen goldenen Weg – und kein Erfolgsrezept. Das macht das Ganze ja aber auch so spannend. Seid mutig. Probiert aus. Vor allem aber: Scheut keine Fehler. Aus denen lernt ihr. Falls ihr die klassischen Einsteigerfehler direkt vermeiden wollt, lest hier über die 5 größten Soundsünden weiter.

 

Baut den Mixdown wie eine Kaskade auf

Wenn jedes Instrument für sich fett klingt, aber in einem Arrangement funktionieren soll, in dem mehrere Instrumente gemeinsam eine Band formieren, dann hat man schnell zu viel – und keine Luft mehr im Mix. Schaut euch die Instrumente nicht nur alleine an, sondern stellt euch den Mixdown wie eine Band vor. Heißt: Baut ihn stufenweise wie eine Kaskade auf. Wenn der Bass fett ist, dann mische ich das Schlagzeug langsam dazu und schaue: In welchen Frequenzspektren hat das noch Luft?

 

Hört euch den fertigen Mix auf unterschiedlichen Wiedergabegeräten an

Der Mix kann auf dem Studiomonitor noch so fett klingen. Die Sache ist bloß: Auf Studiomonitoren hört die Musik später niemand. Exportiert euch den Mix als MP3 und hört ihn euch unbedingt auf verschiedenen Wiedergabegeräten an. Nehmt Kopfhörer, Bluetooth-Lautsprecher, Earpods, am besten auch ein Autoradio. Die Faustregel: Wenn euer Mix aus den kleinen Auto-Lautsprechern nicht cool klingt, dann müsst ihr noch mal ran. Bastelt verschiedene Varianten eures Mixdowns und hört sie im A-B-Vergleich. Von allen erfolgreichen Popsongs, die ihr so im Radio hört, gab es im Prozess des Mixdowns viele verschiedene Varianten, die diskutiert wurden. Und: Schickt den Mix auch anderen und bittet um ihre Einschätzung. Je mehr Ohren, desto besser.


Wie viele Spuren ihr mixen könnt

Bei den Vollversionen von Pro Tools, Cubase und Logic gibt es keine Limits. Die genannten Softwarehersteller haben auch abgespeckte Light-Versionen, da könnt ihr meist so um die 48 Spuren mischen. Für den Anfang reicht das locker aus. Meist ist es ohnehin so: Das Limit ist die Rechenleistung eures Rechners. Wenn ihr euch zu viel Spuren reinhaut, ist der Arbeitsspeicher schnell voll – vor allem dann, wenn ihr viel mit Effekt-Plug-ins arbeitet. Heißt also: Haltet euer Set-up so schlank wie möglich.

Im Mixdown könnt ihr vieles rausholen. Aber wenn das Recording nicht gut ist, bügelt auch der Mixdown nichts mehr aus. 

Lust auf mehr Inspiration? Lest hier weiter:

Wann euer Mixdown fertig ist

Mit einer eingespielten Band ist ein Song in vier Stunden im Kasten. Am Mixdown könnt ihr theoretisch Jahre basteln. Muss die Snaredrum ein bisschen lauter? Muss da noch ein bisschen Hall drauf? Was machen wir mit der Stimme? Es gibt immer Schrauben, an denen ihr noch drehen könnt. Ein klares Ziel gibt es nicht. Nur das: Am Ende müsst ihr mit eurem Mix zufrieden sein. Und erkennen, dass ihr das Maximum rausgeholt habt. Im Prinzip ist es wie bei jeder anderen handwerklichen Arbeit: Ein Bildhauer kommt auch am nächsten Tag noch mal zu seiner Skulptur und denkt: „Huuuuh, da könnte ich noch mal den Meißel ansetzen.“ Wichtig ist zu erkennen: Irgendwann ist einfach gut.


Mit unseren Tipps für einen guten Mixdown kann eure Stereospur direkt ins Mastering gehen. Ihr wollt noch mehr erfahren? Dann stöbert doch weiter in unserem Magazin. Dort haben wir viele weitere Inhalte rund um das Thema DIY-Recording, etwa wie ihr noch besser Gesang aufnehmen könnt oder wie ihr den Bass nach euren Wünschen mixt.

Bildquelle Headergrafik: ©  evgenydrablenkov, Adobe-Stock