Mikrofonierung für DIY-Recording-Setups

2 Szenarien, wie Musiker in den eigenen vier Wänden mit einer guten Mikrofonierung einen besseren, passenden Sound fürs Recording erzeugen – und 3 Tipps gegen Störgeräusche


Mikrofone einfach kaufen und hinstellen? Da bleibt viel Potenzial ungenutzt. Hier geben wir euch praktische Ratschläge, wie eine gute Positionierung dabei helfen kann, bessere Ergebnisse zu erzielen. Bei kleinem Budget und mit sofort umsetzbaren Tipps.

Szenario 1: Die Mikrofonierung im Proberaum für guten Recording-Sound mit Live-Feeling

Wir gehen bei allen Tipps zum Proberaum-Setup davon aus, dass ihr bereits ein Mic für die Vocals habt und in eurem Proberaum auch eine PA-Anlage steht. Für alle Setups braucht ihr außerdem ein Mischpult – allerdings nicht unbedingt ein teures. Deswegen haben wir günstige, passende Optionen direkt verlinkt.

  • Gutes Lautstärkemanagement ist das A und O! Spielt nur so laut wie nötig, stellt eure Amps nahe an die jeweiligen Instrumentalisten.

  • Entlastet den Sänger akustisch – die Vokalisten müssen sich hören können und sollen nicht gegen laute Gitarren-Amps und Drums anschreien.

  • Noch optimaler: In-Ear-Lösungen, die müssen im Proberaum auch nicht drahtlos sein!

Eine (Mono-)Aufnahme mit nur einem Mikrofon?

Die einfachste, aber oft überraschend effektive Mikrofonierung: Ein Mikro mit Kugelcharakteristik in den Raum stellen. Grundsätzlich gilt: Raummikrofone für eine unkomplizierte Recording-Session sollten Kugelcharakteristik haben, Aufnahmemikrofone für eine direkte Abnahme an der Soundquelle haben (Super-) Nierencharakteristik, sind also gerichtet. Am besten positioniert ihr euer Raummikrofon auf Ohrenhöhe in der Mitte des Raums. Alle Soundquellen sollten auf das Raummikrofon treffen, ohne vorher an einer Fläche zu reflektieren. Achtet darauf, dass ihr beim Spielen nicht gegen das Stativ des Mics kommt.

Die Ohrenhöhe für Lautsprecher und Mics ist bei Aufnahmen im Proberaum auch generell eine gute Idee (außer bei Sängern und Instrumentenabnahme), weil der Sound so „realistisch“ bei euch und euren Mics ankommt. Es bestehen dann kaum Diskrepanzen zwischen:

  1. dem Ton, den ihr hört,

  2. dem Ton, den das Mic „hört“,

  3. dem Ton, den später eure Zuhörer hören.

Übrigens: Das Thema „Kondensator- oder dynamische Mikrofone?“ behandeln wir ausführlich auf unserer Themenseite Mikrofone, eine Zusammenfassung findest du beim Punkt „Mikrofontypen in unserem Sortiment“. Und in diesem Artikel schreiben wir über Richtcharakteristiken von Mikrofonen

Ihr habt zwei Mikros zur Verfügung? (Die XY-Methode für Stereoaufnahmen) 

Dann empfehlen wir eine sogenannte XY-Mikrofonierung. Das ist der einfachste Weg zum angenehmen Stereo-Sound. Dabei verbindet ihr zwei Mikrofone miteinander, mit Panzertape oder einer Klemme. Und „verbinden“ meinen wir hier ganz praktisch: Nehmt zwei möglichst identische Mikrofone mit gleicher Charakteristik und ordnet sie „gekreuzt“ an, zum Beispiel in einem 90°-Winkel, idealerweise Kapsel an Kapsel. Es gilt: Ein größerer Winkel erzeugt ein breiteres Stereosignal. Hier könnt ihr am besten ein wenig experimentieren, das Maximum sollten ca. 130° sein. Zu große Winkel erzeugen ein akustisches Loch. Stellt euer neues Stereo-Mikrofon dann in die Mitte des Raumes. So entstehen zwei Mono-Aufnahmen in jeweils voneinander getrennten Spuren. Die könnt ihr im Mix per Panning dann nach links und rechts aufteilen. Der Trick: Durch die Anordnung der Mikrofone entstehen in den Aufnahmekanälen Pegeldifferenzen, sogenanntes Intensitäts-Stereo. Dieser kleine Unterschied in der Positionierung reicht aus, um einen Stereo-Effekt zu erzielen. Mit dieser Methode bekommt ihr einen steuerbaren Stereo-Sound, auch im engen Proberaum.

Ihr habt zwei Mikros zur Verfügung? (Die XY-Methode für Stereoaufnahmen) 

Dann empfehlen wir eine sogenannte XY-Mikrofonierung. Das ist der einfachste Weg zum angenehmen Stereo-Sound. Dabei verbindet ihr zwei Mikrofone miteinander, mit Panzertape oder einer Klemme. Und „verbinden“ meinen wir hier ganz praktisch: Nehmt zwei möglichst identische Mikrofone mit gleicher Charakteristik und ordnet sie „gekreuzt“ an, zum Beispiel in einem 90°-Winkel, idealerweise Kapsel an Kapsel. Es gilt: Ein größerer Winkel erzeugt ein breiteres Stereosignal. Hier könnt ihr am besten ein wenig experimentieren, das Maximum sollten ca. 130° sein. Zu große Winkel erzeugen ein akustisches Loch. Stellt euer neues Stereo-Mikrofon dann in die Mitte des Raumes. So entstehen zwei Mono-Aufnahmen in jeweils voneinander getrennten Spuren. Die könnt ihr im Mix per Panning dann nach links und rechts aufteilen. Der Trick: Durch die Anordnung der Mikrofone entstehen in den Aufnahmekanälen Pegeldifferenzen, sogenanntes Intensitäts-Stereo. Dieser kleine Unterschied in der Positionierung reicht aus, um einen Stereo-Effekt zu erzielen. Mit dieser Methode bekommt ihr einen steuerbaren Stereo-Sound, auch im engen Proberaum.

Ihr habt mindestens drei Mikrofone zur Verfügung?

Dann schlagen wir vor, Raum- und Abnahme-Mikrofonierung zu kombinieren. Um noch ein bisschen mehr Kontrolle über den Sound beim Proberaum-Set-up zu haben, könnt ihr eines oder zwei Raummikrofone nutzen und zusätzlich weitere Instrumente in der Band einzeln abnehmen und so separat auf euer Mischpult holen, auch um einzelne Instrumente durch gezielte Einzelabnahme besser mischen zu können.

Denkbar wäre zum Beispiel dieses minimalistische Set-up, das auf ein Mischpult mit 4 Kanälen für unter 100 € passt:

  1. Raum-Mic, erste Monospur

  2. Raum-Mic, zweite Monospur. Vorsicht! Eine ungünstige Platzierung beider Raummikrofone kann zu Auslöschungen und Kammfiltereffekten führen, beachtet also die 3:1-Regel: Wenn euer Instrument einen bestimmten Abstand X zu einem Mic hat, sollte das nächste Mic, wenn es dasselbe Instrument aufnimmt, mindestens das Dreifache dieses Abstands (= 3X) zum ersten Aufnahme-Mic haben. Also Klartext: Nehmt ihr ein Instrument auf und Mikro 1 ist 20 Zentimeter von der Soundquelle entfernt, muss Mikro 2 mindestens 60 Zentimeter von Mikro 1 entfernt sein.

  3. Kickdrum mit einem dynamischen Mikrofon

  4. Optional: Overhead-Mikro für die Drums

Szenario 2: Die Mikrofonierung im Homestudio mit zielgerichteter Positionierung der Mics, die Luft für gutes Mixing lässt

Der große Unterschied beim Homestudio (das natürlich auch gleichzeitig der Proberaum sein kann) ist, dass wir hier keinen Raumklang wollen. Denn die Recordings wollen wir später in der DAW bearbeiten und Raumklang, der einmal auf der Tonspur ist, ist nur schwer zu entfernen. Für ein Homestudio empfehlen wir deswegen, jedes Instrument einzeln abzunehmen. Hier gilt, dass eine geringe Entfernung zwischen Mic und Instrument oder Amp den Raumklang reduziert. Bei größerer Entfernung vom Mic zur Schallquelle habt ihr auch mehr Raumklang auf der Aufnahme oder auf euren Monitoren.

Die Mikrofonierung des Schlagzeugs

Ein Schlagzeug mit nur einem einzigen Mic aufzunehmen, ist im Grunde unmöglich. Ein Overhead-Mic nimmt zwar das ganze Schlagzeug auf, aber die Kickdrum ist das absolute Minimum der direkten Mikrofonierung. Als Mikrofone noch Mangelware waren, war ein Drumrecording mit zwei Mikros verständlich. Heute, wo es gute dynamische Mikrofone für unter 30 € gibt, dürfen es ruhig mehr sein – das macht sich deutlich im Sound bemerkbar.

Wenn ihr drei Mics für das Drumset habt, nutzt zwei als Overhead und eines für die Kickdrum. So können die Overheads in Stereo aufnehmen. Am besten Kondensator-Mics wie das ECM-270.

Nächste Priorität für mehr Mikrofone wäre die Snare, dann alle Toms, dann das Ride-Becken. Ein 7-teiliges Mic-Set könntet ihr also folgendermaßen nutzen:

  1. Bassdrum-Mic

  2. Snare

  3. Tom 1

  4. Tom 2

  5. Tom 3

  6. Kondensator-Overhead-Mic Mono-Spur 1

  7. Kondensator-Overhead-Mic Mono-Spur 2

 

Beim Mic für die Kickdrum könnt ihr mit dem Abstand experimentieren: dichter am Fell erzeugt mehr Kick, mehr Abstand eher einen dumpfen Punch. Ein Mic am Rand des Beckens oder der Hi-Hat klingt brillanter, höhenlastiger. Mittig darüber klingt es etwas tiefer, glockiger. Ein ähnlicher Effekt bei den Toms: Je mehr zur Mitte, desto dumpfer und druckvoller klingen die Toms, je weiter am Rand, desto mehr „Kick“ von den Toms nehmt ihr auf. Bei der Snare könnt ihr euch entscheiden: Nehmt ihr von oben auf, ist der Punch auf das Fell besser hörbar, von unten das „Rasseln“ der Snare. Die Schlagzeugspuren der einzelnen Mics müsst ihr dann natürlich auch abmischen, deswegen ist ein Mischpult mit 12 Kanälen sinnvoll. 

Die Mikrofonierung der Amps

Bei Amps oder Lautsprechern im Allgemeinen nehmt ihr entweder am Rand des Lautsprechers ab, dann klingt es ein wenig weicher. Eine Positionierung des Mikros in der Mitte nimmt mehr Obertöne auf, der Lautsprecher klingt dort meist knackiger. Sinnvoll ist es auch, den Amp auf ein Podest zu stellen und somit vom Boden zu entkoppeln.

Mikrofonierung akustischer Instrumente

Das häufigste Instrument ist hier die A-Gitarre. Hier mikrofoniert ihr mit einem Kondensatormikrofon ungefähr 10-20 Zentimeter von 12. Bund entfernt. Ein weiteres „zugemischtes“ Mikro unter Einhaltung der 3:1-Regel ist manchmal sinnvoll – auch hier müsst ihr ein wenig experimentieren. Positioniert die Mikros etwas mehr Richtung Griffbrett für einen breiteren Sound. Direkt vor dem Schallloch ist der Sound oft zu drückend, vor allem bei einem großen Korpus. Kondensatormikrofone eignen sich sehr gut zur Abnahme. Hier wäre es auch legitim, mal jeweils ein Großmembran- und ein Kleinmembran-Mic zu kreuzen. Spielt ein wenig mit dem Abstand zwischen Mikro und Instrument: Wollt ihr mehr das Kratzen des Plektrums und die Griffgeräusche auf der Aufnahme oder soll es sauberer klingen?

Bei anderen akustischen Instrumenten, vor allem Blasinstrumenten, nutzt ihr Clipmikrofone oder ganz normale Mikros auf einem Stativ. Ist das Signal zu leise, verstärkt es vor dem Mischpult mit einem Mikrofonverstärker – der bringt meist auch noch einen Low-Cut mit, wenn ihr den Mix schon vor dem Mischpult ein wenig aufräumen wollt.

3 Tipps um Störgeräusche bei der Mikrofonierung im Homestudio zu vermeiden

  1. Nutzt improvisierte Trennwände zwischen euren Soundquellen. Damit nicht alle Soundquellen indirekt in alle Mikrofone einstreuen, trennt ihr die Mikrofonierung einzelner Instrumente voneinander. Eine Matratze, eine Stellwand oder eine Decke zwischen den einzelnen Amps bringt einen hörbaren Unterschied. Das ist natürlich nur wichtig, wenn gleichzeitig mehrere Instrumente eingespielt werden.

  2. Vermeidet Störgeräusche von externen Geräten. Vor allem elektrisches Equipment, das Lüftergeräusche erzeugt, sollte von euren Mikrofonen fernbleiben. Das können analoge Verstärker oder Computer sein. Aber auch Kühlschränke und Heizungen können versehentlich auf eurer Aufnahme landen. Und natürlich: Handy (r)aus!

  3. Stellt keine Lautsprecher in die Raumecken! Was das mit der Mikrofonierung zu tun hat? Eine Lautsprecherbox in einer Raumecke erzeugt Reflexionen und im Tiefbassbereich einen deutlichen Pegelanstieg. Raumecken sind meist 90°-Winkel, die meisten Lautsprecher strahlen aber deutlich breiter ab. Bässe strahlen sogar sehr viel breiter ab. Und so nimmt ein Mic, das vor einer Lautsprecherbox in der Ecke steht, nicht nur Reflexionen (und damit ein unsauberes Klangbild), sondern auch eine Bassüberhöhung mit auf.

 

Letztlich können sich die beiden Szenarien natürlich überschneiden. Die Aufnahmetechniken sind immer im fließenden Übergang, Budgets und eigene Ansprüche sind individuell. Die besten Ergebnisse erreicht ihr durch intensives experimentieren.

Egal, wie ihr es haltet – wir hoffen, wir konnten helfen. Noch nicht genug Inspiration für die Recording-Praxis? Lest hier ein paar Tipps, wie ihr euren Proberaum dämmen und die Raumakustik verbessern könnt oder was die klassischen Fallstricke im Homerecording sind.

Foto © LENNA