Warum wir kleine Club- und JuZ-Konzerte so lieben. Inklusive Underground-Gig-Bingo für Veranstalter und Mischer

Eine Liebeserklärung an die ganz kleinen Konzerte, Bühnen, Monitore, Kellerkneipen, JuZ, KuZ und Pubs


Es ist dunkel, trotz Sonnenschein draußen, die Decke ist niedrig. Wer in das kleine Gebäude reinkommt, kann fast bis zur Bühne in den Hauptraum schauen. Dort ist der Bassist mit seiner großen Box auf der Suche nach einer funktionierenden Mehrfachsteckdose, während der Drummer der Vorband an dem fremden Schlagzeug des Headliners rumwerkelt. Die 30 Quadratmeter vor der Bühne sind sichtlich von Hunderten feuchtfröhlichen Nächten getauft, der Boden erzählt die Geschichten vergangener Tage mit jedem Zentimeter. In 3 Stunden ist Einlass. Der Soundcheck kann noch nicht starten, weil eine Gitarrenbox noch fehlt. Die Band, die sie beisteuert, steht um Stau. Im Notfall improvisieren wir. Es wird ein unvergesslicher Abend. Eine Liebeserklärung an das Konzert-Format, mit dem die meisten Bands anfangen. An die Abende, die direkt nach dem Bunker-Proberaum, der Garage oder dem Keller kommen: die Clubkonzerte.


Faszination Underground in fünf Schlaglichtern

Viele Musikliebhaber und Bands brennen für die kleinen Clubkonzerte. Für das Jugend- und/oder Kulturzentrum um die Ecke, in dem nachmittags noch das Kinder-Zumba stattfand. Warum? Weil sie eine ganz besondere Atmosphäre ausstrahlen. Sie sind wundervoll unperfekt, akustisch manchmal eine Katastrophe und trotzdem oft die schönsten Abende des Jahres. Im Grunde weiß weder die Band noch das Publikum so richtig, was an dem Abend passiert. Für Bands sind sie der Anfang einer spannenden Reise. Was macht ihren Reiz aus? Fünf Thesen, um in guten Erinnerungen zu schwelgen oder Lust auf das nächste Konzert zu machen.

 

1. Ihr seid näher am Publikum

Die Interaktion zwischen Band und Publikum ist schlichtweg direkter und intensiver, weil ihr näher dran steht. Es gibt keinen „Graben“ zwischen euch und dem Publikum, keine Security, keine Fotografen. Es gibt nur Bühne und die Menschen davor. Meist bildet sich bei kleinen Locations vor der Bühne im Publikum das berühmte „U“,  weil niemand zentral direkt vor der Band stehen will. Nutzt das doch: Euer Frontmann oder eure Frontfrau können von der Bühne hopsen und für ein paar Strophen direkt im Publikum spielen. Näher geht es nicht. Drei superflache Monitorboxen auf der Bühne reichen, es gibt keine Barriere zwischen Zuhörern und Musikern.

 

2. Der ganze Abend ist wie eine große House-Party

Bei großen Konzerten, in Hallen oder gar Stadien ist der einzelne Musikfan ein anonymer Gast von Tausenden. Oder eigentlich gar kein Gast, das würde einen Gastgeber voraussetzen, der sich kümmert. Eher ist der Musikfan hier Kunde. Nicht so in einem kleinen Club mit 80 Gästen. An der Bar immer wieder die gleichen durstigen Gesichter, die Bands stehen nach dem Gig selbst im Publikum, vorm Klo der Punk von der Bar vorhin, vor der Tür zum Rauchen der Zwei-Meter-Typ, der eben in der ersten Reihe stand. Irgendwo wuselt der Veranstalter herum und sucht ein Kondensatormikrofon für den letzten Act des Abends. Es ist eine Party mit vielen Bekannten, wenig Hierarchie, ohne Kommerz-Wahnsinn.

 

3. Der Kontakt zum Veranstalter und zur Location ist direkter

Der Unterschied ist, dass die Beziehung zwischen Band, Veranstalter und dem Betreiber der Location oft ein wenig informeller ist. Nicht unbedingt weniger professionell, ihr solltet trotzdem einen Gastspielvertrag abschließen. Aber als Band oder Veranstalter macht es einen großen Unterschied, ob zumindest ein Anflug von Augenhöhe da ist. Das JuZ, aber auch der kleine Club oder der Pub spielen mit der Band und dem Veranstalter mehr oder weniger in einer Liga.

 

4. Der Eintritt ist geringer

Ist erst mal für euch als Band nicht relevant, oder? Doch, ist es. Abseits davon, dass ihr überlegen solltet, ob Doordeal oder Festgage in eurem Gastspielvertrag stehen, bedeutet ein niedriges Eintrittsgeld erst mal: Es sind nicht nur mehr, die es sich leisten können, sondern mehr Menschen wollen es sich leisten. Die Schwelle, 6 Euro an der Tür für lokale Bands zu zahlen, ist niedrig. Überhaupt ist dann fast egal, wer spielt. Die Leute kommen einfach, treffen sich und hören einer Band zu, die sie (noch) nicht kennen. Für Newcomer ist das perfekt. Die Leute kommen unvoreingenommen und werden in ihren Erwartungen eher übertroffen. Anders wäre es, für 45 € die Vorband einer Szene-Größe zu sein. Zwar könnt ihr auch hier positiv überraschen, aber im Grunde verzögert ihr nur den Beginn dessen, warum alle gekommen sind: der Auftritt des Hauptacts.

 

5. Ihr knüpft automatisch Kontakte zu anderen Bands

Bei den kleinen Clubkonzerten sind es meist zwei bis vier Bands an einem Abend, mit denen ihr euch Teile des Equipments teilt. Eine Band bringt das Schlagzeug, das alle anderen dann nutzen können (außer den Becken!). Dann bringt eine Truppe ihre Bassbox und so weiter. Ihr knüpft so Kontakte, vielleicht sogar Freundschaften. Was manche „netzwerken“ nennen, passiert so automatisch. Bringt eine Band vielleicht sogar einen FOH-Mischer mit? Perfekt, gleich Kontaktdaten aufschreiben. Gängig ist auch der Gigtausch: Ich lade dich zu einem von mir organisierten Gig in meiner Stadt ein und „bekomme“ dafür einen Gig von dir organisiert, in deiner Heimatstadt. So können auch kleinere Bands in Deutschland ordentlich rumkommen.

 

Unser Local-Gig-Bingo für Veranstalter, Mischer und Bands, die über sich selbst lachen können

Und als wären diese kleinen Gigs nicht schon eine Party an sich, könnt ihr euch mit diesem Bingo​​​​​​​ den Abend versüßen:

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