Homerecording: die Basics

Wie ihr mit Balancing und Kompression den Mixing-Prozess startet – und ein Tipp für den EQ


Die Amps sind am Strom und die Mikrofone ausgesucht? Ein anschlussfreudiges Recording-Interface ist eingestöpselt, die DAW hochgefahren? Kurz: Du hast alles bereit, um selbst Musik aufzunehmen? Alles, was du jetzt tun musst, ist: Instrumente einspielen und abmischen. Dazu geben wir hier Tipps fürs erste Mal. Genauer: die ersten Schritte mit Kompressor und Equalizer. Denn das sind im Homerecording die wichtigsten und einfachsten Möglichkeiten, den eigenen Mix auf eine gute Basis zu stellen. Alles andere baut später darauf auf.


Gutes Homerecording beginnt mit einem guten Balancing: Volume und Panning

Balancing ist das, was die meisten Außenstehenden mit Mixing verbinden: die Lautstärke der einzelnen Spuren aufeinander abstimmen. Also Bass, Bassvariante im Chorus, die verschiedenen Gitarren, Gesänge, Snare und so weiter.
Wir könnten jetzt schreiben: Alles, was gut klingt, ist gutes Balancing. Bringt euch aber nix. Natürlich ist Sound sehr subjektiv, wie uns Magnus von den Lala-Studios in seinem Artikel über die Zusammenarbeit von Musikern und Mischern erzählt hat. Trotzdem wollen wir ein paar Erfahrungswerte mit euch teilen.

 

Schritt 1: Lautstärke-Level – welche Spuren brauchen mehr Power?

Behaltet im Kopf: Es wurde bisher nur aufgenommen. Es gibt noch keine digitalen Effekte Kein EQ – der kommt später, wenn wir die richtigen Balance-Level für alle Instrumente gesetzt haben. Andere Effekte oder sonstige Plug-ins: noch später. Jetzt erst mal: Balancing.

Wenn ihr alle Instrumente eingespielt habt, hört euch alle unbearbeiteten Spuren gemeinsam, also „übereinander“ an. Und dann alle einmal einzeln. Entscheidet, welche Elemente für euch im Vordergrund stehen sollen. Häufig geht das Schlagzeug anfangs ein wenig unter, vor allem die Kickdrum. Also: hochziehen und noch mal anhören. Erst die Kickdrum („Bassdrum“ nennen es einige) mit anderen Percussion-Elementen. Dann später mit der kompletten Instrumentalspur. So bekommt ihr nach und nach ein Gefühl dafür, wie ihr Instrumente und Elemente, die euch wichtig sind, mehr „herauslockt“.

 

Das Balancing ist nie ganz zu Ende. Macht es unbedingt am Anfang zum Fundament. Aber gerade, wenn ihr später Effekte nutzt, müsst ihr wahrscheinlich noch nachjustieren.

 

  1. Erst die einzelnen Elemente der Drums
  2. Wenn das Drumset steht, gruppiert es in der DAW zu einer Schlagzeuggruppe.
  3. Jetzt habt ihr eure Drums in der optimalen Lautstärken-Zusammenstellung.
  4. Balanciert dann wiederum Drums mit anderen Percussions wie Tamburinen. Fertig?
  5. Dann habt ihr eine neue Gruppe: Drums und Percussion.
  6. Jetzt kommt der Bass: Dessen Lautstärke mit der Drums- und Percussion-Gruppe ausbalancieren, dann als Rhythmusgruppe zusammenfassen.
  7. So verfahrt ihr auch mit den anderen Instrumenten, Gitarre, Vocals und so weiter: Erst die einzelnen Elemente, dann „artverwandte“ Elemente, dann die größere Gruppe.

Achtung, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die obige Reihenfolge gilt vor allem für typische Bands mit Rhythmus- und Melodieinstrumenten. Wenn der Gesang das Fundament eurer Aufnahmen ist, solltet ihr vielleicht den Gesang zuerst aufnehmen, vielleicht auf einen rudimentären Beat.

Schritt 2: Panning – welche Spur ist von welcher Stereo-Seite zu hören?

Bis jetzt haben wir sehr „in Mono“ gedacht. Das Tolle am Stereosound ist aber, dass verschiedene Klänge von verschiedenen Seiten kommen und so ein raumfüllendes Klangbild entsteht.

 

Mit dem Panning trennen wir einzelne Tonspuren räumlich voneinander. Wir weisen den einzelnen Instrumenten einen Platz im Klangbild zu.

 

Ein Beispiel wären zwei verschiedene Crash-Becken. Die sind beide eher hochtonlastig. Wir könnten also eines in der DAW 40 % nach links und eines 40 % nach rechts schieben. Dabei könnt ihr euch an diese Faustregeln halten:

  • Orientiert euch grundlegend am Aufbau des Schlagzeugs. Kickdrum und Snare mittig, verschiedene Becken und Toms leicht auf den Seiten. Nutzt zwei Rhythmusgitarren-Spuren und verschiebt sie in der DAW zu 100 % jeweils nach links und rechts.
  • Eine elektrische Rhythmusgitarre auf die linke Seite und ein begleitendes Piano oder Keyboard auf die rechte Seite – oder andersrum, Hauptsache, räumlich getrennt.
  • Backgroundvocals aufteilen: Der eher bassige Sänger singt in der Mitte, zwei höhere Backgroundvocals kommen jeweils 100 % nach links und rechts, eine mittelhohe Background-Stimme dupliziert ihr und legt sie jeweils zu 40 % nach links und rechts. Im Studio habt ihr maximale Freiheit: Schnappt euch den Leadsänger und lasst ihn noch mal etwas höhere Backgroundvocals einsingen, mit denen er sich in der Hook selbst begleitet. Oder nehmt mit der ganzen Band Gangvocals auf, die ihr dupliziert und jeweils nach links und rechts legt.
  • Es hat sich bewährt, höhere Frequenzen weiter nach außen zu verteilen und tiefere Frequenzen mittig zu lassen.

Kompressoren machen euren Mix fetter und angenehmer

Schaut euch eine Tonspur an. Ihr seht die Wave-Form mit unterschiedlich hohen Ausschlägen nach oben und unten. Sehr starke Ausschläge können unangenehm laut klingen. Ein Kompressor komprimiert die Spur: Er “drückt” die Amplituden-Ausschläge von oben und unten zusammen. Das Tonsignal in der Tonspur wird also dichter, komprimierter.

 

Kompressoren machen eine Tonspur gleichmäßiger.

 

Das reduziert allerdings auch die Dynamik der Spur. Denn der Kompressor entfernt besonders hohe Ausschläge in der Amplitude. Wenn ihr also zu stark komprimiert, bekommt ihr einen dumpfen, „toten“ Mix.

 
"Kompressoren könnt ihr auch mit Regeln versehen", Magnus, Producer bei den Lala Studios

Meistens könnt ihr einen Grenzwert (Threshold) angeben. Überschreitet das Signal diesen Grenzwert, springt automatisch der Kompressor an. Dazu kann man oft ein Verhältnis (Ratio) angeben. Die Ratio legt fest, wie stark das Signal komprimiert wird.

Würden wir das Tonsignal einfach ohne Kompressor verstärken, würden auch die unerwünschten Ausreißer der Tonspur mitwachsen. Warum das auch technisch fatal ist, erfahrt ihr in unserem Artikel über Gain Staging.

 

Das sind die Haupteinsatzorte für Kompressoren im Homerecording: Bass, Vocals, Drums

Ein Kompressor soll vor allem dafür sorgen, dass ein störungsfreies, sauberes Signal vom Instrument in die DAW fließt. Der Kompressor verhindert, dass die spätere Tonspur von Anfang an mit zu hohen Ausschlägen (Amplituden) aufgenommen wird. Der Kompressor ist also deswegen wichtig, weil er unerwünschte Signalausschläge direkt glatt bügelt. Etwa in Passagen, die sich auffällig hervorstechend anhören oder in denen sehr laute, unerwünschte Signalspitzen ohne Kompressor zu Clipping führen.

 

Bassgitarren

Wenn der Bassist nicht äußerst gut und erfahren ist, produziert er unerwünschte Geräusche mit dem Plektrum oder den Fingern an den Tonabnehmern. Das macht die Spuren in der DAW sehr heterogen und ist schwer zu bearbeiten. Es kann dann direkt beim Einspielen durch unerwünschte Störgeräusche zum Clipping kommen. Und wenn Clippings schon beim Einspielen entstehen, kriegt ihr diese Fehler kaum mehr aus eurem Mix.

Vocals

Das Problem ist im Kern das gleiche wie beim Bass: Nur sehr, sehr erfahrene Sängerinnen schaffen es, „Ausreißer“ in der Dynamik zu verhindern. Kompressoren machen den Gesang besser verständlich und voller.
Manchmal hilft hier schon ein dynamisches Mikrofon – übrigens entgegen den meisten Ratgebern im Netz. Ein dynamisches Mikrofon erzeugt manchmal etwas homogenere Spuren als ein Kondensator-Mic, weil es etwas weniger Details (meist vor allem in den Höhen) aufnimmt. Einige Kondensator-Mics hingegen nehmen viel mehr von der Stimmdynamik auf– das ist nicht immer gewünscht.

Top-Mikrofon der Snare

Mit Top-Mikrofon ist hier das Mikrofon gemeint, das über (on top) der Snare aufnimmt, meist per Stativ. Bei der Snare könnt ihr mit einem Kompressor die Störgeräusche der Sticks ein wenig glatt bügeln, wenn ihr euch einen klareren Snare-Sound wünscht. Deswegen ist ein Kompressor gerade beim Mikrofon über der Snare empfehlenswert.


Equalizing ist die einfachste Möglichkeit, Ergebnisse in Homerecording-Mixes zu verbessern

Mit dem Equalizer könnt ihr eure Spuren auf Frequenzebene feintunen. Ihr könnt zum Beispiel ganz konkret nur den tieferen Mittenbereich betonen, ohne dabei alle Frequenzen im Mittenbereich pauschal in der Lautstärke anzuheben. – denn das würde passieren, wenn ihr einfach nur die Mitten aufdreht. Hört eure Tracks auf ungefähr 85 dB – da ist es für das menschliche Gehör am einfachsten, auf alle Frequenzen zu achten.

 

Wenn Panning die Breite des Mixes ist, bestimmt Equalizing die „Flughöhe“ der einzelnen Elemente im Mix, indem ihr bestimmte Frequenzbereiche betont oder abschwächt.

 
"Digitale Equalizer sind meist neutral im Klang, analoge Equalizer haben Charakter", Magnus, Producer bei den Lala Studios

Viele digitale Equalizer sind sehr neutral im Klang. Die machen wirklich nur das, was sie sagen: Frequenzen verändern. Analoge Geräte (und sehr gute digitale Emulatoren von analogen Geräten) färben das Signal zusätzlich. Die haben dann meist eine gewisse Klang-Charakteristik.

Ich selbst arbeite vornehmlich mit digitalen, also neutralen EQs, um Signale aufzuräumen. Damit meine ich, dass ich die Signale von Störfrequenzen mit gezieltem EQing reinige. Digitale Emulatoren von analogen Geräte hingegen nutze ich, um Frequenzen zu verstärken und das gewisse Etwas hinzuzufügen.
Meine Meinung: Analoge EQs braucht ihr, wenn ihr oft aufnehmt. Oder wenn ihr bei einer Aufnahme schon wisst, wie das fertige Signal klingen soll. In diesem Fall könnt ihr eine Klangquelle direkt mit der analogen Klangcharakteristik eines EQs veredeln.

Das Frequenzspektrum für EQing

Ihr wollt ganz gezielt den Bassbereich mit eurem EQ unterstützen? Aber wo beginnt der, wo hört er auf? Magnus von den Lala Studios unterteilt es so:

0-30 HzFür den Menschen nicht oder nur kaum hörbarer, aber fühlbarer Infraschall.
30-60 HzSub-Bass
60-120 HzBassbereich
120-500 HzTiefmitten
500-1200 HzMitten
1,2-6 kHzHochmitten
6-15 kHzHöhen
15-20 kHzSogenannte seidige Höhen, die nicht mehr alle Menschen hören können.
 
"Vor den Kompressor kommt bei mir immer einer von mehreren EQ", Magnus, Producer bei den Lala Studios

So könnt ihr schon einmal vormischen, was in den Kompressor kommt. Denn der Kompressor nimmt ja alles auf der Spur mit und drückt es in die Mitte.
Schaltet ihr keinen EQ vor den Kompressor, passiert Folgendes: Tiefe Frequenzen erzeugen mehr Lautstärke. Euer Kompressor springt bei einer bestimmten Lautstärke-Grenze an. Ohne EQ komprimiert ihr also irgendwelche Tiefen im Track, obwohl ihr vielleicht eigentlich Mitten komprimieren wollt. Dieses Phänomen nennt sich „Pumpen”: ein durch wilde, meist tiefe Frequenzen unerwünscht ausgelöster Kompressor. Macht also im EQ vorher einen sogenannten LowCut. Beschneidet die Tiefen, bevor ihr komprimiert.

Andererseits: Probiert es doch mal bewusst ohne meinen Tipp aus. Dann wisst ihr, warum wir das „Pumpen” nennen. Und es zeigt den Unterschied zwischen Bässen, die durch einen Equalizer entfernt wurden, und Bässen, die „nur” komprimiert wurden.

Ich mache es so:

  1. Multibandkompressor
  2. EQ
  3. noch ein Kompressor
  4. EQ
  5. Verzerrung
  6. wieder ein EQ

Durch die vielen eingebauten EQs vermeidet ihr Gain Staging und habt immer die Kontrolle über eure Frequenzen.

Wenn ihr jetzt Bock auf mehr Homerecording-Weisheiten habt, stöbert doch ein wenig durch unser Magazin. Begeht ihr vielleicht eine der klassischen Aufnahme-Sünden? Habt ihr ein konfuses Brummen auf eurem Setup? Oder braucht ihr Inspiration für die richtigen Mics? Dann helfen wir euch gerne in unserem Magazin weiter.

Fotos ©The Hirsch Effekt