Mach’s dir selbst: So geht ein DIY-Subkick für unter 70 Euro

Florian von Long Way Home erzählt im Interview, warum und wie er sein Subkick-Mikrofon selbst gebaut hat


Hey Flo, stell dich doch ganz kurz vor.

 

Ich bin der Drummer von Long Way Home und spiele schon viele Jahre mit den Jungs. Wir haben so in die Richtung California Rock angefangen, also der Sound von Blink 182. Inzwischen ist es eher Electro-Pop-Rock. Ein ziemlich eigenwilliger Sound, der uns aber gefällt.

Du hast dir selbst ein Subkick-Mikrofon gebaut. Der Toningenieur Geoff Emerick hat so eine Technik zum ersten Mal für den Beatles-Song „Rain“ genutzt. Erzähl für die Einsteiger doch einmal, was das ist.

Im Prinzip ist Subkick nur ein anderes Wort für ein Mikrofon, das besonders tiefe Frequenzen aufnehmen kann und soll. Das könnt ihr für Bassaufnahmen oder tiefe Tomtoms nutzen, aber meistens wird es für die Kickdrum benutzt. Es funktioniert aber für alle tiefen Frequenzen. Im Laden müsstet ihr dafür schon zwischen 200 und 300 Euro hinlegen, damit ihr was Vernünftiges habt.

Du hast dir dein Subkick also selbst gebaut. Warum?

Es war eigentlich ein spontaner Gedanke, eher aus der Not heraus. Wir haben Demo-Recordings gemacht und wollten unbedingt mehr Tiefbass. Dann haben wir verschiedene Mikros ausprobiert und waren trotzdem einfach nicht zufrieden. Und im Laden war mir das schlichtweg zu teuer. Und dann habe ich bei IMG STAGELINE mal angefragt, ob wir im Rahmen des Endorsements einen Lautsprecher bekommen können, mit dem ich mal was bauen kann. IMG STAGELINE hat uns dann von MONACOR den SP-167C geschickt. Das war meine Basis, um loszulegen.

Ein Lautsprecher? Warum brauchst du für ein Subkick einen Lautsprecher?

Ein Lautsprecher ist ja nur ein Rückwärts-Mikro. Du hast eine Membran, du hast einen Magneten. Dafür müssen wir kurz überlegen, wie ein Lautsprecher funktioniert: Die Membran schwingt durch den Magneten, der sie durch unterschiedliche elektromagnetische Wellen ansaugt und wieder loslässt. Dadurch entsteht der Ton, elektromagnetische Wellen werden zu Schallwellen. Deswegen wabert die Membran beim Lautsprecher so, das ist das Schwingen durch die unterschiedlichen Anziehungskräfte des Magneten. Ein Mikrofon ist das Gleiche, aber umgekehrt: Schallwellen treffen auf die Membran und werden zu elektromagnetischen Wellen. Diese elektromagnetischen Wellen gehen dann an ein Interface oder Mischpult.

Ist es wirklich so einfach, aus einem Lautsprecher ein Subkick-Mikrofon zu machen?

Man muss zumindest kein Experte sein. Im Grunde polt man den Lautsprecher nur um: Nicht die Frequenz abspielen, sondern einfangen, das Kabel andersherum anschließen. Subkick fertig. Noch mal: Der Originalzustand ist so: Die Magnetspule im Lautsprecher-Chassis bekommt ein Signal von irgendeinem Sound, etwa einem Musikstück. Die Magnetspule bewegt sich zur Membran hin und wieder weg, die Membran schwingt dadurch. Ich habe für das Subkick einfach nur den Ton zuerst auf die Membran geschickt, die schickt den Ton über die Kontakte zum Elektromagnet und zum Mischpult. Es sieht in der Praxis dann echt so aus, als würde ich in einen Lautsprecher hineinspielen. Genauso würde aber auch ein Ton entstehen, wenn man nur gegen die Membran pustet. Es ist eben ein Rückwärts-Lautsprecher, also ein Mikrofon (lacht).

 

Details zur Technik des Subkick-Mikrofon von Florian

Ich habe eine einfache „XLR Male“-Buchse verwendet. Ihr könntet auch einfach ein Loch bohren und das Kabel direkt daran löten. Pin 1 und Pin 3 lötet ihr auf den linken Kontakt des Lautsprechers und Pin 2 auf den rechten Kontakt.

Und dann hast du um den SP-167C ein Gehäuse gebaut?

Ja, genau. Viele nehmen dafür einfach eine alte Trommel. Aber ich bin Zimmermann und kann halt zufällig auch gut mit Holz umgehen, das hat geholfen. Dazu habe ich alte Dachlatten genommen. Die habe ich zugesägt, zusammengeleimt, gehobelt und geschliffen. Da habe ich den Lautsprecher eingesetzt, Buchse für die Kabel angelötet. Jetzt kann man das Subkick wie ein ganz normales Mikrofon nutzen.

 

Details zum Gehäusebau des Subkick-Mikrofons von Florian

Ich habe mich dafür entschieden, dem Subkick eine runde Form zu geben, also quasi ein Fass — gefällt mir optisch besser. Verwendet habe ich Fichtenbretter. Die Bretter haben eine Stärke von 22 Millimeter. Ich habe sie zu jeweils 5,32 Zentimetern mit 15°-Winkel zueinander zu einem Trapez geschnitten. Wie man Dauben (so heißen die Trapeze) zur Fassherstellung berechnet, findet ihr zum Beispiel in diesem Forum. Am Ende erhaltet ihr 12 Trapeze mit derselben Länge, die ihr verleimt. Am besten geht das mit mehreren kleinen Spanngurten. Wenn der Leim angezogen hat, geht es weiter mit einem Handhobel. Mit dem flacht ihr die Ecken ab. Das macht ihr also so lange, bis nur noch Schleifpapier hilft. Jetzt gilt also: schleifen, schleifen, schleifen. Ich habe die Dauben ein Stück länger gelassen, damit ich noch eine Blende vom fertigen Korpus abschneiden kann. Die schraube ich dann vorne drauf.

Wenn man keine zwei linken Hände hat und ein bisschen Zeit mitbringt, bekommt man ein super Studio-Mikrofon für unter 70 €!

Welche Möglichkeiten macht euch das DIY-Subkick-Mikrofon als Band auf?

Es ist verzichtbar, ganz ehrlich. Aber es ist schon toll, wenn man die Möglichkeit hat, sich so etwas zu bauen. Es ist viel günstiger und unsere Tiefbässe in den Aufnahmen sind viel stärker, die Wirkung ist beeindruckend.

 

Nach mehreren Tests, auch mit EQ, muss ich sagen, dass sich der Aufwand gelohnt hat!

Gibt es sonst irgendwas zu beachten, wenn man mit einem Subkick arbeitet?

Das klassische Übersteuern verhindert ihr mit einem guten Gain Staging, wie immer. Das Problem hatten wir auch am Anfang. Man hört das manchmal als Problem in Foren bei Subkicks, aber im Grunde ist es wie mit allen anderen Mikrofonen auch: Gain erst mal ganz runterdrehen, dann langsam rantasten. Auch die Positionierung des Mikrofons ist wie immer, achtsam an den Sweet Spot annähern, viel ausprobieren. Man könnte noch vorne einen Widerstand in das Subkick reinlöten, aber das war mir zu viel Arbeit. Für uns passt der Sound so.Wir nutzen es sehr gerne im Studio, eben immer, wenn wir einen richtig tiefen, fetten Bass brauchen. Im Live-Betrieb ist es Unsinn, da gibt es zu viele Störgeräusche.

Allerdings bekommt ihr mit dem Subkick kein Mikro, mit dem ihr alleine eine Kick abnehmen könnt. Es ist aber auch nicht üblich, nur ein Subkick zu nutzen. Andererseits: Im Recording ist alles erlaubt, was gefällt.

Lust auf mehr DIY-Themen? Lies in unserem Magazin, wie du mit Drum-Recording startest oder ohne großen Aufwand deine ersten eigenen Songs aufnimmst.

Bildquelle, Headergrafik und Galerie: © LongWayHome