Bass-Mixing: 8 Profitipps für DIY-Mischer

Zwei Mixing-Praktiker geben sofort umsetzbare Tipps für die Bässe in eurem Bass-Mixing-Prozess


In den letzten Jahren gab es einen regelrechten Kampf darum, wer den dicksten Bass auf seinen Songs auspacken kann. Einerseits fühlen sich Nachwuchs-Mixer deswegen geradezu verpflichtet, einen besonders fetten, betonten Bass zu mixen, andererseits geben Profi-Mixer ein Niveau vor, dass Hobbyisten ohne Hilfe kaum erreichen können. Muss nicht sein, sagen Ilja John Lappin, Bassist, Cellist, Sänger und Multiinstrumentalist von The Hirsch Effekt und Janosch Held, selbständiger Tontechniker aus Bremen. Die beiden haben ein paar gute persönliche Tipps für alle, die gerade vor der DAW sitzen und unsicher sind, in welche RIchtung welcher Bass-Regler denn nun soll.

 
Janosch: „Beginnt für einen guten Bass-Mix am Anfang der Signalkette: Wie sind die Einstellungen am Amp?“

Das gilt sowohl live als auch beim Recording: Wenn aus dem Amp des Bassisten schon ein undefiniertes Signal kommt, wird’s schwierig gegenzusteuern. Im Studio einerseits, vor allem aber live. Denn der Bass (oder jedes andere bassige Instrument) dröhnt ja von der Bühne ins Publikum, abseits der PA-Anlage. Sprecht die Instrumentalisten einfach mal an und fragt, warum zum Beispiel sowohl Bass als auch Höhen bis zum Anschlag am Amp aufgedreht sind. Fragt höflich, ob der Instrumentalist damit ein bestimmtes Klangbild erreichen will. Wenn das der Fall ist, beratet ein wenig. Ich hatte in der Lila Eule in Bremen schon Bands, bei denen ich nichts mehr am Pult verändern musste, das Signal ging unverändert in die PA-Anlage – das ist aber eine große Ausnahme. Die Kommunikation zwischen Mischer und Musiker ist immens wichtig.

 
Ilja: „Die Rolle der Bässe im Mix bestimmt, welche Frequenzen wichtig sind.“

Es kommt natürlich darauf an, welche Rolle der Bass in der Musik übernimmt. Wenn wir Bass jetzt als Bassgitarre verstehen, spielt die in einigen Bands nur die Gitarrenriffs nach. In einigen härteren Metal-Subgenres steht das Schlagzeug sehr im Vordergrund und der Bass übernimmt eher eine „warme Färbung“, ist kein führendes Instrument. Da kann man die Frequenzen vorsichtig im Equalizer um 50–200 Hz betonen, ohne die Gesamtlautstärke der Bassgitarre zu erhöhen. Diese 50–200 Hz sind der Bereich, den viele als „Fatness“ oder „Wärme“ bezeichnen. Höhere Frequenzen könnt ihr absenken, wenn der Bass nur begleitet. Einsteiger denken oft: Eine Bassgitarre spielt nur das, was in den Frequenzen die Tiefbässe sind, das stimmt aber nicht. In vielen Bands gibt die Gitarre dem Bass die Freiheit, auch in den tiefen und oberen Mitten Platz zu nehmen.

In anderen Genres, etwa dem Funk oder Progressive Rock, gibt der Bass sogar den Ton an. Da hat der Bass Soli usw. Da muss die Bassgitarre deutlicher als eigenständige Spur und elementar hörbar sein.

Seid vorsichtig, wenn ihr den Tiefbass um 100–200 Hz anhebt. Hier werden Bassspuren schnell undifferenziert – und damit eher weniger durchsetzungsfähig.

Deswegen hilft auch ein generelles Verzerren des gesamtes Bass-Signals überhaupt nicht, wenn sich der Bass durchsetzen soll. Das klingt dann zwar schön heavy, geht aber trotzdem zwischen Schlagzeug und tief gestimmten Gitarren unter.

 
Janosch: „Nutzt einen grafischen Equalizer mit Real-Time-Analyzer-Funktion.“

Tiefe Percussions, Synthesizer, Keyboards, tiefe Regionen der Gitarre – all das sorgt fast immer zu Überlagerungen in den niedrigen Frequenzen. In den meisten Bands und Produktionen stehen mindestens zwei Bass-Elemente in Konkurrenz: Die Bassgitarre und die Kick-Drum. Wenn ihr anfangen wollt, in diesen Frequenzen zu mixen und aufzuräumen, empfehle ich: Nehmt eine Mehrspuraufnahme, gute Abhörmonitore und einen grafischen Equalizer mit Real-Time-Analyzer-Funktion. Setzt euch in Ruhe hin und schaut, was sich verändert, wenn ihr einzelne Instrumente und Spuren (also auch Kickdrum, Snare, Bassgitarre) in bestimmten Frequenzen anhebt. Wie verändert sich der Klang? Wie wirkt sich das auf den Gesamtmix aus? So bekommt ihr ein Gefühl für das Equalizing einzelner Spuren. Denn EQ ist das Allererste, was im Mixing wichtig ist. Nicht der Kompressor, nicht die Effekte. Das geht am besten in einem fertigen Mix und nicht, wenn ihr das erste Mal vor eigenen Aufnahmen sitzt.

Das Ziel darf nicht sein, dass jedes Instrument so fett wie möglich klingt – das sorgt nur für Chaos. Der Gesamtmix muss stimmig sein.

Faustregel: Live könnt ihr bei der Bassgitarre fast immer konsequent die Höhen (siehe hier unter „Frequenzspektrum“) rausschneiden. Die braucht kein Mensch. Damit meine ich nur die Höhen! Hohe Mitten braucht der Bass. Aber Höhen? Weg damit.

 
Ilja: „Hebt andere Bassquellen nicht breitbandig per EQ dort an, wo die Kickdrum viel Druck hat.“

Es hat seinen Sinn, warum die Kickdrum in einer bestimmten Frequenz besonders drückt: Sie ist so gestimmt. Hebt ihr die Bassgitarre im gleichen Frequenzbereich an, habt ihr genau die Überladung, die ihr verhindern wollt. Das seht ihr auch optisch, wenn ihr den Tipp von Janosch mit dem Analyzer befolgt. Hebt den Bass lieber im tieferen Bereich an. Oder ihr klemmt einen Equalizer an die Kickdrum und senkt diese wiederum in einem Frequenzbereich ab, wo sie der Bassgitarre nicht in die Quere kommt. Entscheidet euch fürs Erste: Wer soll der Chef im Ring sein, Bassgitarre oder Kickdrum? In welchem Bereich kann oder soll der Eine dem Anderen Platz machen? Generell sollte immer komplementäres EQing zwischen der Kick und der Bassgitarre stattfinden. Nutzt die Ressourcen des Digitalen und dupliziert eure Bassspur mehrfach! Nutzt verschiedene Methoden für mehrere duplizierte Bassspuren! Zum Beispiel eine cleane, nur leicht komprimierte Spur und dann noch eine Spur, die im mittleren und oberen Bereich angezerrt ist.

Für Bassgitarren ist allerdings auch der obere Mittenbereich wichtig: Will ich einen knusprigen Bass hören, müssen die hohen Mitten stärker werden – hauptsache die Bassgitarre lässt der Kickdrum in ihrem Frequenzbereich Freiraum.

 
Janosch: „Der erste Schritt am Bass-Equalizer ist nie, Frequenzen anzuheben.“

„Stärkere Mitten“, wie Ilja sagt, ist eine Sache, aber: Das Erste, was ihr am EQ macht, sollte eine Absenkung sein. Der EQ ist zuallererst ein Werkzeug, um zu säubern, aufzuräumen. Das gilt für den Anfang des Bass-Mixings im Speziellen, aber eigentlich auch pauschal für alle Schritte im Mixing-Prozess. Arbeitet am EQ eher mit Absenkungen als mit Anhebungen. Sonst schiebt ihr die Kickdrum 6 dB an einer Stelle hoch, dann den Bass ein paar dB, schon drückt ihr den ganzen Mix in undefinierte „Fatness“. Auch Bässe brauchen diszipliniertes Gain Staging. Nutzt alternativ einen Multiband-Kompressor, um bestimmte Klangregionen zu betonen.

 

Gerade beim Bass im Studio kommt immer ein EQ vor(!) den Kompressor

Denn sonst komprimiert ihr auch Störgeräusche in eurer Spur mit, was sie dichter und damit hörbarer macht. Gerade Bassgitarren bringen oft viele Fret-Noises mit. Wie Ilja schon sagte: Ihr habt in der digitalen Welt unbegrenzt Effekt-Slots. Nutzt einen EQ, schraubt damit an der Spur, dann geht’s in den Kompressor und danach kommt das Feintuning mit einem weiteren Equalizer. Dann erst irgendwelche weiteren Effekte. Die Gegenprobe ist: Einfach mal den EQ bypassen, also das Signal vorbeileiten und das komprimierte Signal ohne EQ abhören – meist unschön.

 

Faustregel: Kickdrums klingen bei 400-500 Hz oft ein wenig hölzern, da könnt ihr absenken und Platz für die Bassgitarre schaffen. Präsenz erzeugt ihr, wenn ihr die Kickdrum bei 3.000 Hz anhebt.

 
Ilja: „Midrange und Höhen im Bass verzerren, Tiefbass-Bereich clean halten – das kann Wunder bewirken, wenn die Bassgitarre sich durchsetzen soll.“

Nicht verwechseln: Eine Verzerrung ist nicht immer Overdrive oder Distortion. Ich spreche eher von einem leichten Anzerren. Bestimmte Pre-Amps oder Harmonic Booster erzeugen ja auch eine Verzerrung, mit der ihr unbedingt mal experimentieren solltet. Ferner gibt es Effekte, die kontrolliert die tieferen Bässe anheben und höhere Frequenzen anzerren können. Ihr könnt bei diesen Effekten genau bestimmen, ab welcher Frequenz wie stark verzerrt oder komprimiert wird. So habt ihr die maximale Kontrolle über den Bass-Mix! Ich benutze da Effekte der Firma Darkglass. Die gibt’s auch als digitale Plug-ins, direkt für das DI-Signal. Speziell das Parallax von Neural DSP nutze ich gerne.

Höhere Bereiche des Basses zu verzerren und tiefere Bereiche clean zu halten und saftig zu komprimieren, das ist meine Methode zum durchsetzungsstarken Bass.

Faustregel: Je nach Spielart der Bassgitarre solltet ihr unterschiedliche Frequenzen anheben. Slap-Bass? Hohe Mitten stärken. Bassist spielt mit Plektrum? Hohe Mitten stärken. Bassist spielt mit Fingern? Untere und hohe Mitten stärken. Viele Störgeräusche? Die befinden sich meist in den Höhen, also absenken!

 
Janosch: „Nicht alles, was Bassfrequenzen erzeugt, muss komprimiert werden.“

Oft beginne ich beim Kompressor mit einer Ratio von 1:8. Wichtig ist es, vom Mindset wegzukommen, pauschal alles zu komprimieren. Es ist absolut kein Muss, eine Bassgitarre zu komprimieren. Nur weil wir heute unbegrenzt Kompressoren zur Verfügung haben, muss nicht jede Tom, jeder Bass, jede Kick komprimiert sein. Da gilt nur eine Faustregel: ausprobieren. DAWs wie Cubase oder Logic haben mehrere Signature-Kompressoren, die ihr einfach mal testen solltet.

Den Kompressor in seinen Möglichkeiten vollständig zu verstehen – das war in meinem Werdegang zum Sound Engineer einer der längsten Prozesse. Aber es lohnt sich.

 
Ilja: „Nutzt einen Blend-Regler beim Kompressor.“

Ich versuche den Bass immer nur dezent zu komprimieren, weil ich nicht will, dass der Kompressor meine „Groove-Ebene“ zu sehr beschneidet. Für eine gewisse Präsenz im Mix komprimiere ich den Bass allerdings fast immer ein wenig. Ich finde aber, die meisten Mischer übertreiben mit dem Bass-Kompressor. Mein Tipp: Für die Nuancen empfehle ich einen Bass-Kompressor mit Blend-Regler. Mit diesem Blend-Regler könnt ihr den Anteil des komprimierten und unkomprimierten Anteils der Bassspur sehr fein einstellen.

Ein Tipp: Startet mit niedrigen Threshold-Werten und steigert euch. Die Bass-Kompression richtet sich nach der Kompression der Kickdrum. Testet die beiden Signale gegeneinander.

Wenn ihr jetzt Lust auf mehr Mixing-Know-How habt, schaut doch mal in unsere Mixing-Basics fürs Homerecording oder lest über fünf klassische Mixing- und Recording No-Gos.

Foto Ilja © Christoph Eisenmenger